Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 522 (sequence 38)
- Language
- German
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522 Im deutschen Reich. Vor — so begegnen sie ihnen nicht gern, wenn sie Ärm in Arm mit einem Arier gehen, der das typische 'Aussehen der Eltern etwas verdächtig findet. — So zieht die erbärmliche Heuchelei zum Verderben des Menschen durch das ganze Leben, fast bei allen Bewerbungen müssen sie Ursprung und Herkunft verheimlichen, und die Einheit des Charakters und der Persönlichkeit geht in die Brüche. Glaubt ihr denn wirklich, daß mit all den moralischen Schäden, die euch und euren Kindern die Taufe bringt, ihr irgendwelche Garantien für ihr Glück habt? Wohl mag das innige Familienleben, das zur Zeit der dunklen Verfolgungen der leuchtende Stern am Himmel unseres Volkes war, in der trüben Uebergangszeit, die wir durchleben, sich etwas gelockert haben. Aber noch ist dieser Sinn, dieses Leben unter denen, die wir lieben und die uns lieben, so ausgeprägt, so ausnehmend schön, daß durch den fliehenden Schleier der Zeit der Abglanz der Ewigkeit hineinzuleuchten scheint. Noch sind wir in diesem Leben und nach demselben von der Pietät unserer Kinder getragen, aber Pietät ist religiöses Empfinden und existiert nicht mehr, wenn dieses schwindet. Ihr wißt ja nur zu gut, wie diese Pietät in den betreffenden Kreisen abgenommen hat, wie des Lebens Ernst und Innigkeit, die einst das Glück Israels ausmachten und seine Wohnungen verschönten, der ruhelosen Begierde nach immer neuem Genuß und stumpfsinniger Lebensfreude in den blasierten Gemütern .gewichen sind. Und wenn sie im Laufe der Jahre den Eltern das letzte Geleit geben, so sind sie froh, für immer die Stätte zu verlassen, die ihnen durch das Vorgehen der Eltern zur Fremde geworden, und wo treu den Gesetzen Israels ihre Vorfahren die Heimat fanden. Entfremdet euch die Kinder nicht! In das schöne Verhältnis, das seit undenkbaren Zeiten dieselben so eng an euch knüpfte, säet nicht das Korn der Zwietracht! Zerstöret nicht die Einfalt des kindlichen Gemüts, nicht jenen Frieden, der aus der Harmonie der zeitlichen und ewigen Anschauungen entspringt, pflegt ihr selbst die schönste Knospe, die des Schöpfers Hand in unser Herz gepflanzt,