Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 519 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343503--20559-2343571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sich zu bekehren, das den Glauben an den eingeborenen Sohn, an die Mystik der Dreieinigkeitslehre als Dogmen aufgestellt hat, halt noch viele ab, die Taufe über sich ergehen zu lassen. Doch man schleppt die Kinder zu dem Geistlichen, daß er das traurige Werk vollziehe. Steigt nicht euch Eltern, nicht euch, ihr Mütter, die ihr vor allem leider so oft die Schuld tragt, steigt euch nicht die Schamröte ins Gesicht, wenn ihr dem Geistlichen euer Kind überreicht — das Opfer, dem ihr durch die Pforte des Verrats und der Gottlosigkeit den Tempel angeblicher Seligkeit erschließen wollt. Wenn je mit dem Namen des Herrn ein frivoles Spiel getrieben, wenn je dieser Name zum Falschen mißbraucht wurde, so ist es bei dieser unwürdigen Komödie der Fall, wo christliche Geistliche aus jüdischen Händen die Gabe empfangen, die sie mit Verachtung zurückweisen sollten, und von der sich gewiß der Herr, der in unser Innerstes schaut, mit Widerwillen abwendet. Und wenn auch die Zeremonie von Dienern der Kirche noch so mundgerecht gemacht wird, die Lüge und die Heuchelei bleiben dieselbe, und alle Fluten des Jordans können die Schmach nicht abspül-en, die hier mit dem Verkauf der Kinderseele begangen wird. Müßte der Geistliche nicht darauf bestehen, daß diesen Eltern die Obhut oder die Erziehung des Kindes entzogen wird, damit dieselben nicht zersetzende Elemente unter ihren neuen Glaubensgenossen werden, eine Furcht, die sicher nicht unbegründet ist. Man zähle doch die getauften Juden, die an den hohen christlichen Feiertagen in die Kirche gehen. Andererseits geben diese Täuflinge auch ein ausgezeichnetes Material für Antisemitenführer, sie kommen ja am besten dadurch in die feine christliche Gesellschaft. Früher galt es als ein schweres Verbrechen, wenn jüdische Kinder den Eltern geraubt wurden, um sie der Taufe zu überliefern. Jetzt begehen die Eltern selbst das Verbrechen, wenn sie zur Zeit, da in dem kindlichen Gemüte noch keine Ueberzeugung reifen kann, ihre Söhne und Töchter zur Taufe, die sie selbst nicht mögen, senden.