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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 512

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
512 (sequence 28)
Language
German
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512 Jru deutschen Reich. Heiligtum; wer es durch die eigene oder der Kinder Taufe verletzt, kann nicht mehr mit Erfolg für dieses Recht kämpfen. (Lebhafter Beifall.) Es wäre zum Segen aller Religionen, wenn der seine religiöse Gemeinschaft Verlassende seinen Austritt aus derselben vor dem zuständigen Geistlichen erklären müßte. In Bayern hat sich diese .gesetzliche Vorschrift als eine weise Einrichtung bewährt. Ich berichtete schon, zu welch ernsten Auseinandersetzungen die Austrittserklärungen Veranlassung geben. In den meisten Fällen sind zwar die Bemühungen erfolglos; wer den Entschluß zur Taufe gefaßt hat, läßt sich schwer davon abbringen; nur in vereinzelten Ausnahmefällen gelang es, die Taufe zu verhüten. Aus der Reihe meiner 'Erfahrungen möchte ich folgenden Fall nicht unerwähnt lassen. Ein angesehener Glaubensgenosse wollte vor längerer Zeit feinen Austritt aus unserer Religionsgemeinschaft erklären, Wie er sagte, stehe er dem Judentum ganz fremd gegenüber; für ihn sei die Ethik die höchste Religion und daher wolle er die christliche Religion der Nächstenliebe annehmen; .christliche Nächstenliebe sei für ihn das Höchste. Ich wies ihn auf die Quelle dieser hohen Moral hin, auf die Heilige Schrift, mit der Israel die Menschheit erleuchtet hat, überzeugte ihn von dem sittlichen Gehalt des rabbinischen Schrifttums; ich übersetzte ihm die Gebete, in denen die Seele Israels für die ganze Menschheit zum Himmel ruft, und sprach mit ihm über das Wesen des Judentums. Alles war ihm wie eine fremde Welt. Für ihn, den sonst allgemein Gebildeten, war das Judentum nur eine Ruine, zu der vielleicht eine schwache Pietät noch hinsühren könnte. Erließ sich belehren, nahm von seinem Vorhaben Abstand und blieb Jude. — Aber wie selten ist ein Erfolg zu verzeichnen. Die 'meisten Täuflinge verbergen ihre innersten Motive, weil' sie sich ihrer schämen; sie schützen Scheingründe vor, und gegen den Schein kämpft auch die gesündeste Logik vergebens; der Genius der Beredsamkeit und der Wahrheit senkt seine Fackel, wenn der Mensch nicht überzeugt sein will. Obwohl praktische Erfolge gering sind, so kann es jedenfalls nur günstig wirken, wenn dem Geistlichen Gelegenheit geboten wird, demjenigen, der seine Religion aufgeben will, Auge und Gewissen zu öffnen. Nur dürfen die Augen nicht

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