Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 511 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Judemaufen. 511 seins und hat zur Parole: „Nicht Unrecht tot'’. Wir wollen lernen und lehren: „Jude sein heißt Mensch sein". (Stürmischer Beifall.) Mensch sein heißt ein Charakter sein. Jeder deutsche Jude müßte diesem Verein seinen Schekel weihen. Es gilt, unsere religiöse Ehre und Lehre zu verteidigen. Wie der brausende Sturm nicht nur Schlamm und Unrat, sondern zuweilen auch manches Köstliche an das Meeresuser trägt, so hat der Sturm des Hasses, der gegen uns geschürt ward, nicht nur Fluch, sondern auch zuweilen Segen gebracht. Der Geist, der das Böse will, schasst oft wider seinen Willen das Gute. Viele Juden, in deren Seele noch ein Funken von Idealismus glühte, sind in den schweren Zeiten der antisemitischen Bewegung bessere Juden geworden. Dieser inneren Festigung haben die reichen Segen stiftenden B'ne Mrith-Logen, die trefflichen Vereine zur Förderung der jüdischen Geschichte und Literatur, der mit edlen Erfolgen gesegnete Verband der Deutschen Juden und noch viele andere ausgezeichnete Einrichtungen ihre Entstehung zu verdanken. Unter Schmerzen sind sie geboren worden; sie alle bekämpfen durch ihre Existenz und durch ihre Tätigkeit mit lauteren Mitteln die unlautere Taufe. In unserem Verhalten sollen wir den Getauften klar und deutlich zeigen, wie wir über sie denken und über sie denken müssen. Bescheiden sollen wir sein gegen die Aermsten der Armen, aber stolz uns abwenden von denen, die sich von uns abgewaudt haben. Diese haben uns verlassen, weil zumeist der schnöde Vorteil ihnen höher stand als das Ansehen des Judentums; jeder Ehrenmann muß ihnen beweisen, welche Kluft sie von ihm trennt. Es ist höchste Zeit, daß wir den Täuflingen die Augen darüber öffnen, daß für uns treue Juden Ehrenhaftigkeit das Höchste bedeutet. Niemals dürfen wir den Getauften, wie sie geschildert worden, oder denen, die ihre Kinder taufen lassen, Ehrenämter übertragen, das verstößt gegen unsere Ehre und Würde. Solche Männer haben das Recht verwirkt, für unser Recht emzutreten. Wir wollen von Renegaten kein Gnadengeschenk. Wie kann auch jemand, der durch seine Tat die Existenzberechtigung dis Judentums geleugnet hat, für eine Gemeinschaft eintreten, von der er nichts mehr wissen wollte? Das Rech: der Juden ist ein