Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 510 (sequence 26)
- Language
- German
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510 Im deutschen Reich. Schritt getan, der die 'Verletzung der Wahrhaftigkeit zur Folge hat. Dann ist die Stufe gezimmert, die allmählich vorwärts zur Taufe führen kann. (Erneuter stürmischer Beifall.) Wenn einmal solche Saat ausgestreut ist, dann bringt es das Naturgesetz mit sich, daß ihr auch eine entsprechende Ernte folgt, dann erkennen wir vielleicht zu spät, daß wir manches verursacht haben, was wir nicht gewollt.- Wir sollen alle, Rabbiner, Gemeinden, Gemeindeverbände, alle in edlem Wetteifer dafür sorgen, daß ein Religionsunterricht erteilt wird, der den höchsten Ansprüchen genügt. Das Beste ist da gerade gut genug. Durch diesen Unterricht muß die Liebe zum Judentum erweckt werden; der Heranwachsenden Jugend muß als Wegzehrung für das Leben die Wahrheit mitgegeben werden, daß das Judentum dem modernen Bewußtsein nicht widerspricht, daß es alles Gute, Wahre und Schöne in die Menfchenbrust einpflanzt. Die Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen Religionen müssen in sachgemäßer Weise besonders der gereisten Jugend vorgetragen werden, damit der die Schule verlassende Jüngling sich des Unterschieds zwischen Judentum und Christentum bewußt sei. (Sehr richtig!) Wir müssen jüdische Jünglingsvereine, jüdische Studentenverbindungen fördern, damit die in den Jahren der Entwicklung lockenden Versuchungen überwunden werden. Im jugendlichen Alter ist der Enthusiasmus des Menschen rege, ist der Boden des Gemüts besonders geeignet, mit den erhabenen Gedanken des Judentums befruchtet zu werden. Wir müssen alle Einrichtungen fördern, die bewußt und unbewußt das Judentum stärken und den Weg zur Taufe versperren. Mit berechtigtem Stolz kann unser Staatsbürgerverein aus seine bisherige Tätigkeit zurückblicken; er hat der deutschen Judenheit die Fahne vorangetragen, auf der mit goldenen Lettern seine Devise uns entgegenleuchtet: „Abwehr und Einkehr". Abwehr nach außen, Einkehr nach innen. Die Abwehr nach außen, der Kampf um das Recht, ist, wie so treffend ein genialer Rechtsphilosoph sagt, „die Poesie des Charakters" und hat zur Parole: „Nicht Unrecht leiden". Auch Unrecht leiden, ohne sich zu wehren, ist ein Unrecht. Die Einkehr nach innen ist die Stärkung des jüdischen Bewußt-