Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 509 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343503--20549-2343561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Judentaufen. 509 Wiederholt und mit noch so vornehmem Gewände sich schmückt." Der Getaufte darf nicht jenseits von Gut und Böse stehen, er darf nicht einen eigenen Sittenkodex haben. Wer ein Bekenntnis ablegt, das seine Seele nicht glaubt, der lügt; wer mit einer Lüge aus den Lippen Zutritt zu einer Gemeinschaft erbittet, zu der er nicht innerlich gehört, zu der er nur aus materiellen Gründen gehören will, der heuchelt; wer in feierlicher Form ein falsches Gelübde ablegt, leistet einen falschen Eid. Der Falscheid, der mit Recht vom irdischen Richter mit harten Strafen belegt wird, hat nicht immer so niedrige Motive, wie sie oft bei gewissenlosen Täuflingen wahrgenommen werden. Wir müssen das Kind beim rechten Namen nennen und dürfen nicht müde werden, das sittliche Gewissen zu schärfen.. Der wahrhaft fromme Christ wie jeder sittliche Mensch überhaupt wird uns zustirnmen unh uns dabei helfen. Christentum und Judentum hassen und verachten gemeinsam die Lüge. Wir müssen weiter dafür sorgen, daß das Judentum mit seinem lauteren Gehalt, mit seiner sittlichen Gewalt und in seiner edlen Gestalt vor Entstellungen bewahrt werde. Wer das Judentum kennt, wird es lieben. Wie viele Renegaten gibt es, die keine blasse Ahnung vom Judentum haben. Man kommt zuweilen aus dem Staunen nicht heraus, wenn man deren Unwissenheit wahrnimmt. Wissen ist die beste Wehr und Waffe gegen Taufe und Treulosigkeit. Wir sollen bei der Wiege anfangen, im Herzen des Kindes das Bewußtsein erwecken, daß der Jude ein Recht und eine Pflicht hat, auf seinen Glauben stolz zu sein; das Kind soll lernen, daß das Judentum das Höchste lehrt. Wir sollen es bei aller Ehrfurcht vor der uns umgebenden edlen Religion so erziehen, daß es nicht verwirrt wird durch die Teilnahme an christlichen Festen und christlichen Veranstaltungen. (Stürmischer Beifall.) Denn, meine Verehrten, Kinder haben ein Gemüt, weich wie Wachs; da prägt sich vieles unbewußt und ungewollt tief ein. Wenn jüdische Kinder sich gewöhnen, christliche Feste zu feiern, christliche Lieder zu singen, so zieht Zwiespalt in ihre Seelen ein; wenn jüdische Kinder dazu angehalten werden, schon in der Kindheit manches zu sagen und manches nachzusprechen, woran sie nicht glauben, dann ist der erste