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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 508

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
508 (sequence 24)
Language
German
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508 Im deutschen Reich. Meine Geehrten! Bevor wir schließen, müssen wir noch eine Frage beleuchten, vielleicht die wichtigste. Was können wir tun, um dem Nebel die Spitze abzubrechen und der Gefahr Einhalt zu bieten? Unsere frommen Väter haben, wenn sie durch die Taufe eines der Ihrigen in tiefen Schmerz versetzt wurden, sieben Trauertage wie um einen Toten geklagt. Der Renegat war für sie tot. Sie waren darüber verzweifelt, daß er das, was ihnen der teuerste Besitz war, von sich geworfen, sie waren verzweifelt, daß ein Jude, der zur Wahrhaftigkeit erzogen war, sich zu einem Bekenntnis wandte, von dessen Lehrinhalt seine Seele nicht durchdrungen war. Unsere Alten lehren: „Der Frevler wird auch im Leben, tot genannt." Nur das Leben der Gerechten kann ein Leben genannt werden. Aber Klagen allein ist Schwäche, das Trauern und Bedauern allein nützet nichts. Wir müssen darüber nachsinnen, wie wir der Krankheit des Abfalls Herr werden können. In der Bibel heißt es: Wenn ein Erschlagener gefunden wird, sollen die Aeltesten der Gemeinde in die Worte einstimmen: „Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen." Es ist selbstverständlich, daß die Aeltesten der Gemeinde sich von dem Verdacht des Mordes nicht zu reinigen brauchten. Aber prüfen sollten sie sich, wie unsre Weisen lehren, ob sie alles getan, unr den Frevel im Keime zu ersticken; bekennen sollten sie, daß sie nichts versäumt, uw das Leben des Erschlagenen zu schützen. Ziehen wir, meine Geehrten, eine Lehre aus dieser biblischen und rabbinischen Weisheit. Haben wir alles getan, um die Schwachen zu kräftigen und den Abfall zu verhüten? Können wir alle ausrufen: „Unsere Hände haben das Blut nicht vergossen!"? Seien wir wahr, wahr bis zur Unerbittlichkeit, und wir werden eine Antwort hören, die vielleicht gegen unser Selbstbewußtsein, aber nicht gegen die Wirklichkeit verstößt, eine Antwort, die uns an unsere Pflicht erinnert. Wissen Sie, meine Geehrten, was wir zuerst tun müssen, um zu helfen und zu heilen? Als Menschen von Grundsätzen müssen wir ohne Umschweife und ohne Umschreibungen die Verwerflichkeit der ohne inneren Glauben vollzogenen Taufe als das bezeichnen, was sie wirklich ist. Wir müssen dem überzeugungslosen Täufling zurufen: „Unwahrhaftigkeit bleibt Unwahrhaftigkeit, Charakterlosigkeit bleibt Charakterlosigkeit, auch wenn sie noch so häufig sich

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