Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 506 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Im deutschen Reich. artikel ist. Der Staat kann nicht auf geistige Potenzen verzichten, ohne sich zu schädigen; der Staat kann daher auch nicht die Intelligenz der Juden entbehren, ohne sich kraftvoller Werte zu entäußern. Er würde allmählich im eigensten Interesse den Juden auch in Wirklichkeit die auf dem Papier verbrieften Rechte gewähren, wenn nicht die Taufjuden sich zu allem bereit fänden, er würde zu seiner eigenen Wohlfahrt bei der Besetzung von Aemtern nicht das Glaubensbekenntnis, sondern nur Tüchtigkeit und Würdigkeit berücksichtigen, wenn nicht unsere Glaubensgenossen selbst durch Fahnenflucht das Unrecht, das unserer Gesamtheit zugesügt wird, sanktionieren würden. Die Staatsbehörde wird durch die Renegaten in ihrem Vorsatz bestärkt, uns auf so vielen Gebieten zurückzusetzen. Wenn die maßgebenden Behörden merken, daß die Taufe nicht zurückschreckt, so werden sie fortsahren, sich den Taufschein auch als Befähigungsnachweis vorlegen zu lassen. Die Renegaten sind unsere Schädlinge auch auf politischem Gebiete und müssen daher als unsere Gegner gefährlichster Art bekämpft werden; ja, Täuflinge sind oft gefährlicher als ausgesprochene Judenfeinde. Noch eine andre ernste Gefahr gibt es, die durch das Renegatentum heraufbeschworen wird. Wenn ein Mensch überzeugungslos ist, so wird dieser Defekt nicht nur nach einer Richtung hin sichtbar werden. Einflußreiche, hohe christliche Staatsbeamte, die mit treuen Juden selten freundschaftliche, herzliche Beziehungen haben, lernen oft die Getauften, die in höhere Stellungen gelangt sind, als ihre Kollegen kennen und betrachten diese oft als Typen der jüdischen Gesamtheit. Getaufte Universitätsprofessoren, getaufte Regierungsbeamte, getaufte Richter usw. wirken gemeinsam auf verantwortlichen Posten mit ihren christlichen Amtsgenossen. Wie oft bemühen sich die Getauften, ihr früheres Judentum, an das sie nicht erinnert sein wollen, zu verleugnen; wie oft wollen sie die Anhänglichkeit zur neuen Religion durch heuchlerische Mittel beweisen. Der ehrenhafte Christ hat ein scharfes Auge für solch ein Gebühren, er beurteilt dieses Verhalten ebenso wie wir; er weiß auch, auf welchem Wege die früheren Juden zu ihrer Würde gelangt sind. Wie leicht kommt er da zu bedenklichen Folgerungen, wenn er vom einzelnen aus die Gesamtheit Schlüsse zieht. An der falschen Beurteilung der