Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 505 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentaufen. 505 den Kindern soll es sein, mit der diese Verirrung gerechtfertigt wird. Wer durch Charakterlosigkeit den Kindern das Leben leichter machen will, der ist zu ihnen in Wahrheit lieblos; denn er erschüttert ihr sittliches Bewußtsein und hat das Recht auf Ehrerbietung verwirkt. Die Kinder bleiben nicht immer Kinder. Die christlichen Kinder können einst den jüdischen Vater fragen, warum er selbst Jude geblieben ist; sie können ihm vielleicht später danken für manchen Lebensgenuß,, der ihnen als Juden versagt worden wäre, sie werden aber bei reiflichem Nachdenken den eigenen Vater für gesinnungslos halten müssen. Und das ist für Kinder ein großer Schmerz. Der Vater kann es auch erleben, daß das getaufte Kind antisemitische Lorbeeren einheimst; er kann andrerseits auch erleben, daß dasselbe der Früchte der Taufe sich nicht erfreut. Es gibt oft eine Vergeltung auf Erden, wenn, das Recht gebeugt und Frevel begangen wird. Eine Schuld zieht die andre nach sich. Meine geehrten Zuhörer! Welche Wirkungen haben die Judentaufen nach sich gezogen? Daß unsere Zahl durch die Taufen schwächer wird, ist gewiß bedauernswert. Sind ja nicht selten die Getauften auch geistig befähigte Persönlichkeiten, und wir.können auf keine Kraft verzichten; jeder an seiner Stelle hätte ein Segen werden können. Aber schon die Bibel sagt, daß nicht in der großen Zahl unsere Kraft besteht. Wenn man nur die Stimmen zählt und die Bedeutung einer Religion nicht nach ihrem inneren Gehalt, sondern nach der Anzahl ihrer Bekenner abschätzen wollte, so müßte der Religionsgemeinschaft die Palme gereicht werden, deren Ziffer die höchste Summe aufweist. Das hieße mit materiellen Faktoren ideelle Probleme lösen wollen. Das Resultat wäre dann, daß die Kulturreligionen hinter das am weitesten ausgedehnte Heidentum zurücktreten müßten. Gewiß ist es eine bedrohliche Erscheinung, daß unsere Phalanx gelichtet wird und daß aus unseren Reihen oft Männer scheiden, die alle Ursache hätten, für das ihnen durch jüdische Opferfteudigkeit zuteil gewordene Gute dankbar zu sein; gewiß ist es betrübend, daß hervorragende Männer nicht immer hervorragende Menschen sind. Aber all das ist nicht so verhängnisvoll wie die Wirkung, welche die Judentaufen auf die Stellung derjenigen ausüben, denen ihre Ueberzeugung kein Handels-