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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 504

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
504 (sequence 20)
Language
German
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504- Im deutschen Reich. Recht, das ihnen niemand verkümmern kann und darf; aber kein Recht ohne Pflicht. Eltern dürfen nicht leichtfertig in den Willen der Vorsehung eingreifen: sie haben die Pflicht, die ihnen anvertrauten Seelen rein an Gesittung und Gesinnung zu erhalten, sie haben die Pflicht, das, was sie selbst für wahr halten, in das Herz der Kinder hineinzupflanzen, und das, was sie selbst für falsch halten, von ihnen abzuwehren. Unfaßbar muß es für jeden denkenden und sittlichen Menschen sein, wenn Eltern, die ihrer Ueberzeugung nach selbst nicht Christen werden können und wollen, die eigenen Kinder kraft ihrer Machtvollkommenheit dem Christentum zuführen. Ist das nicht ein frevelhaftes Spiel mit den heiligsten Gütern, mit der Kinderseele, mit der Religion, mit der Wahrheit? Ist das nicht Feigheit und Täuschung zugleich? Eine Abhandlung von „Benediktus Levita" war vor einigen Jahren unter dem Titel „Ueber die Erlösung des Judentums" in den Preußischen Jahrbüchern erschienen und erregte in den weitesten Kreisen Aufsehen und Unwillen. Die - Kindertaufe soll, so will es diese von Verkennung der jüdischen Lehre strotzende Abhandlung, das Judentum von seinem jahrtausendelang dauernden Leid erlösen. Der Verfasser weist für sich die Taufe mit Entschiedenheit zurück, weil er die christliche Dogmatik als unannehmbar erklärt und daher das christliche Bekenntnis nicht annehmen kann. Der persönliche Uebertritt würde mithin für ihn eine Unwahrheit bedeuten. Aber Kinder, die nicht selbst ein Bekenntnis ablegen, will er der Taufe übergeben. Ist dieses letztere nicht eine Inkonsequenz, wie sie ungeheuerlicher nicht ersonnen werden kann? Ist es nicht geradezu eine Frivolität allerschlimmster Art? Legt er, der Vater, nicht durch die von ihm veranlaßte Taufe des Kindes, für das er verantwortlich ist, Zeugnis für ein Bekenntnis ab, bei dem ihm, wie er sagt, „das Wort in der Kehle erstürbe". Das Kind also soll das Dogma als Wahrheit verehren, das der Vater bekämpft? Die Kindertaufen, die das Unheil alles Unheils sind, sollen die Zahl der Taufen der Erwachsenen übersteigen. Wie oft hören wir, daß Eltern die Kinder Laufen lassen, um ihnen die Wege für die Zukunft zu ebnen, um sie von dem „Unglück ihrer Abstammung" zu befreien. Liebe zu

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