Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 503 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentaufen. 503 Mensch nicht existieren kann, dar ist noch viel schärfer zu verurteilen als der durch Leiden gemarterte Täufling: er inacht sich einer Gesinnungslosigkeit schuldig, wie sie schnöder nicht gedacht werden kann. (Stürmischer Beifall.) Elendes Strebertum und krankhafter Ehrgeiz vergiften Herz und Seele. Der Renegat schämt sich, zu den Juden gezählt zu werden, weil er von gewissen Schichten der Bevölkerung nicht als vollwertig angesehen wird. Er will Eintritt finden in Kreise, die sich in ihrer Beschränktheit höher dünken als andere Sterbliche. Ist das jüdische Blut geringwertiger als das Blut der uns Entehrenden? In unfern Adern fließt edles Blut, das Blut des Stammes, der das Zehngebot der Menschheit gegeben. Für Renegaten ist es kein Stolz, daß sie Abkömmlinge von Propheten, Psalmisten und Gotteskämpfern sind. Für diese gilt es als Auszeichnung, die Hand derjenigen küssen zu dürfen, die uns Niederdrücken wollen. Sie merken es gar nicht, welch komische und zugleich tragische Rolle sie spielen. Als traurige Exemplare dieser sittlich degenerierten Gattung begegnen uns häufig eitle Mütter; in verblendeter Affenliebe wollen sie ihren Kindern mit unerlaubten Mitteln das Leben reizvoller gestalten. Aus krankhafter Eitelkeit übergeben sie unschuldige Kinder dem fremden Glauben. Ja, geehrte Zuhörer! Mit Schmerz und Entrüstung muß es gesagt werden! Jüdische Mütter, die früher das heilige Feuer der Religion hüteten, sind es, die jetzt oft das größte Verderben bringen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Getauften find tot für unsere Glaubensgemeinschaft. Eitelkeit und Ehrgeiz find die Totengräber. Ein klassischer Denker lehrt, daß es in Wirklichkeit nur eine einzige Tugend gebe, die der Quell ist, aus dem alle anderen Tugenden fließen, und zugleich der Ozean, in den sie wieder hineinmünden. Diese Tugend heißt Wahrhaftigkeit. Ebenso gibt es in Wirklichkeit nur ein einziges Laster, aus dem alle anderen Laster heraus geboren sind, und dies Laster ist die Unwahrhaftigkeit. Unwahre Menschen sind Jammergestalten, die für ein Linsengericht ihre Erstgeburt verkaufen. (Bravo!) Wir müssen bei der Kindertaufe noch verweilen, so schmerzlich uns auch diese Tragödie in der Tragödie berührt. Eltern lassen ihre Kinder taufen, in unseren Tagen mehr denn je. Eltern haben das Recht der Erziehung, ein