Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 500 (sequence 16)
- Language
- German
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500 Im deutschen Reich. geborener Jude von der Religion des Judentums sich zurückzieht, weil er in seinem Wahn Gott leugnet, dann werden nur diese Verirrung bekämpfen und ihn zu belehren suchen, wir werden ihn bedauern, aber nicht verachten. Wenn aber ein ungläubiger Jude seine angestammte Religion verläßt, weil diese Gott lehrt, und einer anderen Religion Treue schwört, die viel mehr Dogmen hat, als unser Judentum, dann hat er das Recht verwirkt, noch ein Ehrenmann genannt zu werden. Nur unklare und unwahre Menschen können die Motive eines solchen Renegaten noch ehrenhaft nennen. (Lebhaftes Bravo!) Es ist unfaßbar, daß hierüber noch anders geurteilt werden kann. Die einfachsten, klarsten Begriffe von Wahrheit und Unwahrheit werden gefälscht, um das Schmähliche eines solchen Verhaltens zu verhüllen. Wir müssen die Handlung bei dem richtigen Namen nennen und das als gesinnungslos bezeichnen, was gesinnungslos ist. Der geborene Jude, der nichts glaubt, darf niemals Christ werden. (Stürmischer Beifall.) Ein solcher Apostat macht sich der Lüge schuldig. Meine Geehrten! Es ist tief traurig, aber notwendig, immer mehr und mehr den Gründen nachzugehen, die der Taufe Vorschub leisten. Hunger und Liebe, die beiden Mächte, welche die Welt bewegen, bringen oder, wie manche fälschlich sagen, zwingen oft zur Taufe. Wer kennt nicht die Not, die oft zur Verzweiflung treibt? Wer kennt nicht die Leiden der Aermsten der Armen unseres Stammes? Der Richter übt Milde, wenn wirkliche Not die Triebfeder des Vergehens gewesen ist. Gesetzgeber sollen nicht nur die Tat, sondern auch den Täter beurteilen. Es ist wahr, Not und Sorge führen oft in schwere Versuchung. Es gibt Brüder, die abtrünnig geworden sind, um ihr kümmerliches Dasein fristen zu können. Es ist beschämend, daß die Zugehörigkeit zu einem Glauben den Kampf ums Dasein erschwert; aber jeder von uns weiß, wie furchtbar wahr es zuweilen ist. Es ist selbstverständlich, daß hier nur wirkliche Not in Betracht kommt und nicht das Verlangen nach Wohlleben und Genuß. So tief gesunkene Menschen gibt es auch, daß ihre Treue zum Glauben schon erschüttert wird, wenn einige winzige Vorteile ihnen durch Untreue winken. Nicht dieser sei hier gedacht, diese zählen hier nicht mit;