Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 498 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Im deutschen Reich. lands Heil und Ehre vergossen. Das Unrecht, das wir noch immer erfahren, kann uns zwar, verbittern, aber nicht die .Liebe zum Vaterlande aus dem Herzen reißen. Lassen Sie mich hierbei nur auf eine vorbildliche Persönlichkeit Hinweisen. Berthold Auerbach, ein Jude, war es, der so meisterhaft wie kaum ein zweiter verstanden hat, der deutschen Volksseele das leiseste Geheimnis abzulauschen und ihr innerstes Wesen poetisch darzustellen. Die Dorfgeschichten kann nur ein Mann geschrieben haben, der mit jeder Faser der Seele sich als Deutscher gefühlt hat. Gerade er hat schwer gelitten unter der Verleumdung, die den Juden zum Deutschen zweiter Klasse erniedrigen möchte. Selbst führende und erlesene Geister haben bedenkliche und falsche Ansichten über das Verhältnis des Judentums und des Deutschtums entwickelt, sie haben in dieser Frage schwer geirrt und andere verwirrt. Apostaten sind erfinderisch in ihrer Rechtfertigung. Viele von ihnen wollen ihr Gewissen dadurch beruhigen, daß sie ihre Taufe als einen Eintritt in das moderne, freiheitlich entwickelte Christentum betrachtet wissen wollen. Sie glauben, ein sogenanntes liberales Christentum annehmen zu dürfen, ein Christentum, das die christlichen Dogmen abweist, das die überlieferten Mysterien nicht anerkennt, das die Trinität, die Menschwerdung Gottes und andre Grundlehren aus dem Katechismus streicht, das die Erbsünde leugnet, ein Christentum, das dem modernen Zeitbewußtsein entsprechen soll. Nur zu einem solchen Christentum, das in Wirklichkeit kein positives Christentum mehr ist, wollen sie sich bekehren und damit sich rechtfertigen. Ist diese Verteidigung begründet? Darf der zu einer bestimmten Religion Uebertretende nach seinem willkürlichen Belieben eine eigene Religion sich zusammenstellen? Nimmermehr! Wer im Namen des dreieinigen Gottes Christ wird, wie es jetzt vorgeschrieben ist, muß auch an die Trinität glauben. Mit dem Heiligsten darf nicht geschachert und nicht gefeilscht werden. Wer die Taufe annimmt und kein gläubiger Christ ist — ich wiederhole es nochmals —, ist ein Heuchler. (Lebhafter Beifall!) Der Täufling hat das vorgeschriebene Bekenntnis in allen Teilen zu glauben, da nutzt kein Deuteln und kein Drehen, er muß die Kirche, bei der er Aufnahme sucht, anerkennen und darf sich und andere nicht täuschen: sonst be-