Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 497 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentaufen. 497 sich hohe, unsterbliche Verdienste erworben; kann man aber deswegen die menschliche Gesittung eine spezifisch christliche nennen? Wird nicht die Nächstenliebe in Israels Bibel zuerst gelehrt? Gibt es überhaupt große ethische Gedanken — das sagen wir mit Stolz — die nicht in Israels geweihtem Boden ihre Heimstätte haben? Wie heilig und wie herrlich sind die Ideale, die unsere Propheten und unsere Weisen gelehrt haben! Und muß nicht der Begriff „christlicher Staat" als ein Phantasiegebilde, ja fast als ein Widerspruch in sich selbst bezeichnet werden? Ist unser Staat katholisch, ist er protestantisch? Widersprechen nicht wesentliche Lehren des Neuen Testaments bedeutsamen Einrichtungen, ohne die sich unser moderner Staat gar nicht mehr denken läßt? Darf der Staat als solcher, der das Verhältnis von Mensch zu Mensch regeln soll, eine Religion bevorzugen und Einfluß nehmen aus die innigsten Beziehungen des Menschen zu seinem Gott? Nationale Gründe sollten uns Juden hindern oder uns erschweren, ganz Deutsche zu sein? Ist es nicht widersinnig, die Behauptung aufzustellen, daß mit der Taufe die nationale Empfindung eine andre wird? Tritt man nicht mit solchen ungeheuerlichen Annahmen dem Christentum zu nahe, das eine Religion ist und nur eine solche sein will? Aendert die Taufe etwas an der jüdischen Abstammung? Christentum sollte mit Deutschtum sich identifizieren? Gibt es nicht Christen deutscher, französischer, englischer, russischer Nationalität? Hat nicht Deutschland verschiedene Stämme in sich ausgenommen, bevor es zu einem einheitlich nationalen Gebilde sich herausgestaltet hat? Die Nachkommen der Heiden sollten deutsch werden können; den Nachkommen der Juden, die seit vielen Jahrhunderten in unserem Vaterlande erbgesessen sind, spllte dies nicht gelingen können? Die Sprache, die wir sprechen, ist das objektive Moment der Zugehörigkeit zum Volke; der Wille, den wir haben, ist das subjektive Moment hierfür. Wir sprechen Deutsch, wir sind von deutscher Kultur durchtrünkt und wir wollen deutsch sein. Wer darf es wagen, diesen unfern erprobten Willen zu bezweifeln? Doch grau ist alle Theorie, Tatsachen sind unwiderlegliche, lebendige Beweise. Haben wir unsere Treue zum Vaterland nicht in schweren Zeiten bewiesen? Das Blut von Christen, und das Blut von Inden wurde gemeinsam in Strömen für Deutsch-