Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 496 (sequence 12)
- Language
- German
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496 Im deutschen Reich. Geistliche ihre Stimme erhoben; auch sie wissen, wie bedeutungslos solche durch Geld, auch durch List errungenen Erfolge sind. Es gibt Täuflinge, die mehrere Male ihre Seele für Geld verkaufen und wiederholt sich den Uebertritt bezahlen lassen. Zuweilen kehren sie auch reumütig äuriid Oft sind es Abkömmlinge unserer östlichen Glaubensgenossen, die in ihrer Verzweiflung den Missionaren in die Arme fallen. Um ihr Ziel zu erreichen, wenden diese Bekehrer die seltsamsten Mittel an, die oft verwerflich sind. Sie entstellen den klaren Sinn einzelner Verse der heiligen Schrift, um das zu beweisen, was sie als Wahrheit anpreisen. „Es ist schwer, eine Satire nicht zu schreiben", wenn man an die großen Summen denkt, die aufgewendet werden, um jüdische Seelen einzufangen. Jeder getaufte Jude kostet der Mission eine beträchtliche Summe: wieviel wirklich Gutes könnte mit diesem Gelde gestiftet werden! Ruhige Besonnenheit, nicht leidenschaftliche Erregung leite uns, wenn wir die Gründe in Betracht ziehen, mit denen Täuflinge sich zu rechtfertigen suchen. Ja, manche derselben gehen so weit, daß sie ihren Uebertritt als sittliche Tat verteidigen. Die Phantasie führt ihr Denken zu Vorstellungen, die uns oft geradezu unbegreiflich erscheinen müssen. Vom kulturellen und nationalen Gesichtspunkt aus wird die Judentaufe empfohlen. Christlich soll der Staat sein, dessen Bürger wir sind, christlich die Kultur, deren wir uns erfreuen, christlich die Gesittung, mit der wir verwachsen sind.. Weil dem so sei, sollen wir unsere religiöse Eigenart aufgeben, um ganz in der Gemeinschaft aufzugehen, deren Teil wir sind. Christlicher Staat, christliche Kultur und christliche Gesittung ist eine Zusammenstellung von Worten, die leicht zu Jrrtümern Veranlassung geben kann. Man muß die Begriffe logisch zergliedern, um die Wahrheit zu eruieren. Welche Beziehungen haben mit irgendeiner Religion, — um nur einige Beispiele anzuführen, — die Kulturerrungenschaften der Technik, der Naturwissenschaften usw.? Im Gegensatz hierzu wird oft behauptet, daß einzelne .Konfessionen sich der Entfaltung dieser Mächte zuweilen hemmend in den Weg gestellt haben. Wenn wir von moderner Gesittung sprechen, kann man diese als eine spezifisch christliche bezeichnen? Sicherlich hat das Christentum um die Verbreitung von Gesittung