Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 495 (sequence 11)
- Language
- German
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Iudewaustn. 495 Doch behauptet nicht die Judenmission, viele Seelen gerettet und als Gläubige dem Schoße der Kirche zugeführt zu haben? Die Mission des Christentums kann an sich etwas Hohes sein, wenn sie ihre Grenzen innehält; Israel, zerstreut über die ganze Welt, geht nicht auf Bekehrung von Einzelseelen aus, es weiß, mit welcher Schonung und Rücksicht jede religiöse Empfindung behandelt werden muß; Israel weiß, wie ehrwürdig jedem Menschen das Erbe seiner Väter ist, es weiß, daß jeder edle Mensch, vor Gott im Diesseits und Jenseits gleichwertig ist. Daher will es nicht bekehren und überreden, daher lehrt es für sich seine Wahrheit, ohne den Andersgläubigen irgendwie zu beunruhigen. Und trotz alledem hat das Judentum in höherem Sinne eine gewaltige, weltumfassende Mission ausgeübt, ohne in das Gewissen des einzelnen einzugreifen. Die beiden Tochterreligionen, Christentum und Islam, sind aus unserer Religion hervorgegangen, die heiligen Schriften Israels haben Millionen Menschen 511 Gott und zur Menschenliebe geführt. Das Christentum steht auf einem anderen Standpunkt. Es ist jedem Zweifel entrückt, daß die christliche Missionstätigkeit in vielen Landen verdienstlich und kultursördernd ist. Wir hegen Bewunderung für die hingebende Wirksamkeit christlicher Missionare, die in fernen Ländern, wo Wildheit und Götzendienst erbgesessen sind, unter schweren Opfern ihre religiösen Ideale verbreiten. Aber eine Missionstätigkeit, die von einer Gott und Sittlichkeit seit Jahrtausenden lehrenden Religion abtrünnig machen will, eine Missionstätigkeit, die Kind vom Vater, Bruder vom Bruder trennt, eine Missionstätigkeit, die oft mit materiellen Mitteln ideelle Ziele zu erreiche:: sucht, eine solche kann keinen Segen bringen, kann auch nicht von der Religion gebilligt werden, die verbreitet werden soll. Daher haben selbst christliche Geistliche gegen die Art und Weise Protest erhoben, mit der oft Missionäre sich an Juden wenden, um ihre Seelen zu gewinnen. Wie oft wird da die Not armer Glaubensgenossen ausgenützt' Die Not schwächt den Willen; mancher Darbende ist der Mission zum Opfer gefallen, weil ihm irdischer Lohn in Aussicht gestellt wurde. Um welche Jammergestalten bemühen sich oft Missionäre. Weder haben wir an ihnen etwas verloren, noch das Christentum etwas gewonnen. Warnend haben christliche