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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 494

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
494 (sequence 10)
Language
German
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491 Im deutschen Reich. Ueberzeugung? Urteilen wir vorsichtig! Was ist Religion? Empfindung des Herzens, sittliche Weltanschauung, die Lehre über Gott, Freiheit und Unsterblichkeit; Religion ist das Persönlichste der Einzelpersönlichkeit; sie ist ein Ergebnis unseres Denkens, ein Erlebnis unseres Gemüts; unsere religiöse Weltanschauung wird aus vielen Mächten heraus gebildet. Erziehung, Umgebung, Erinnerung, Denken und Fühlen, Forschen und Empfinden, Wollen und Sollen, alle diese Kräfte und noch andere schassen bewußt und unbewußt unsere religiösen Ansichten. Wenn die im Christentum geborenen und erzogenen Gläubigen an die Dogmen ihrer Kirche glauben, obwohl diese der Menschenvernunft nicht zugänglich sind, dann bezweifeln wir nicht ihre Aufrichtigkeit. Wir haben Hochachtung vor dem an Mysterien glaubenden christlichen Gemüt; jeder Mensch glaubt gern seinen Eltern, die für ihn die Stellvertreter Gottes sind und sein sollen. Jeder Mensch wird beeinflußt von Pietät, die oft wie eine elementare Gewalt wirkt, wenn das nüchterne Denkenuns nicht befriedigt. Wenn aber Juden, deren Religion stets nach geistiger Erleuchtung gerungen hat, diese Religion verlassen, um eine andere anzunehmen, zu deren Lehrinhalt Dogmen gehören, die nur geglaubt, aber nicht mit dem Denken ergründet werden können, dann werden wir wohl im allgemeinen die Wahrhaftigkeit solcher Apostaten in Zweifel ziehen müssen. Es liegt in der Natur der Sache, daß zumeist nur diejenigen an Dogmen und Mysterien glauben, die von Kindheit an in denselben erzogen wurden. Einzelne Täuflinge behaupten zwar laut und vernehmlich, daß nur Ueberzeugung und Nachdenken sie zu einer anderen Religion geführt habe; sie behaupten es oft so laut und so vernehmlich, daß man die Absicht merkt. Einzelne wenige sollen es, wie man sagt, ehrlich mit dem Glaubenswechsel gemeint und ganz frei von jedem äußeren Motiv dabei gehandelt haben. Wenn wir diese geringen Ausnahmen zugestehen, so sind es eben nur ganz vereinzelte Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Diese kennen das Judentum in seiner Reinheit nicht, sie wissen nicht, was sie nusgeben; sie sind auch mystisch veranlagte Seelen, die in das Reich der Mysterien flüchten. Wie verschwindend gering sind diese Ausnahmen. Etwas anderes ist es, als geborener Christ gläubig zu sein, etwas anderes, als geborener Jude vom Glauben der Väter abzufallen und Christ zu werden.

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