Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 493 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Judentaufen. 4Vo neugeschaffenen Menschen. Wir wollen hier nicht auf dogmatische und theoretische Erörterungen über Einzelheiten der Taufe eingehen; aber daran läßt sich nicht deuteln, daß der Jude, der die Taufe an sich vollziehen läßt, mit dem Taufakt den Sinn verbinden muß, den die christliche Kirche lehrt. Wenn ein Erwachsener die Taufe anuimmt, ohne von ihrer Heiligkeit durchdrungen zu sein, dann ist er nicht nur ein Heuchler, sondern auch ein Tempelschänder; er verletzt auch das religiöse Gefühl der wirklichen Christen. Mit der Taufe muß der Jude von den Grundlehren seiner Religion sich lossagen; er muß die Lehren abschwören, denen seine Väter ergeben waren. Der Jude, der freiwillig in das Christentum eintritt, macht sich der Lüge schuldig, wenn er nicht ein gläubiger Christ im Innersten der Seele geworden ist. Der Jude, der bisher davon durchdrungen war, daß die Seele des Menschen ihrer Natur nach rein und lauter ist, glaubt jetzt, daß diese durch die Erbsünde sündbeladen das Licht der Welt erblickt; der Jude, der bisher in die Worte einstimmte: „Höre, Israel, der Ewige ist unser Gott, der Ewige ist einzig!" glaubt nunmehr die Trinität; der Jude, der bisher die rein geistige Gottheit angebetet hat, glaubt nunmehr: „Gott ist Mensch geworden!", der Jude, der bisher dem Grundsatz huldigte, daß burd) eigene sittliche Kraft Gnade vom Himmel errungen werden kann, glaubt nunmehr an die sühnende Macht des Mittlers zwischen Gott und Menschen; der Jude, der bisher von seinen Weisen gehört hat, daß alle edlen Menschen ohne Unterschied der Religion selig werden, glaubt nunmehr an die allein seligmachende Kraft eines bestimmten Glaubens; der Jude, der bisher die prophetischen Worte für wahr gehalten, daß die messianische Zeit des ewigen Friedens, der allgemeinen Glückseligkeit, des von der gesamten Menschheit anerkannten reinen Gottesglaubens in herrlicher Zukunft eintreten wird, und daß wir alle an der Erfüllung dieser Verheißungen Mitarbeiten sollen, er glaubt nunmehr: „Messias ist bereits gekommen"; er glaubt es, obwohl die Völker noch in Waffen starren, obwohl das Heidentum noch Millionen und abermals Millionen Menschenseelen umfaßt. All das muß er im Gegensatz zu seinen Vätern bekennen und glauben. Meine geehrten Zuhörer! Gibt es eine Judentanfe aus