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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 491

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
491 (sequence 7)
Language
German
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^ubeuiiuifen. 491 eine beängstigend große Ausdehnung annahmen, daß wiederum in anderen Zeitabschnitten die Zahl derselben sichtlich abflutete und daß beiden Erscheinungen äußere Verhältnisse zugrunde liegen. In Preußen sind es besonders zwei Perioden, die ein trauriges Blatt in der jüdischen Geschichte bilden. Die erste dauerte etwa von dem Ende des 18. Jahrhunderts bis 1840; die zweite begann ungefähr 1880 mit dem Emporwucheru der antisemitischen Bewegung und wirkt leider noch bis zum heutigen Tage fort. In der ersten Periode war das Zusammenstößen des Ghetto-Judentums mit der modernen Weltanschauung häufig die Ursache für den Abfall von Geistern, die diesem Kampfe nicht gewachsen waren. Oft hatten Schwächlinge sowohl das antike Judentum wie die moderne Kultur nur von der Oberfläche aus betrachtet; wären sie in das innerste Wesen eingedrungen, dann hätten sie erkennen müssen, daß echte Religion und echte Bildung nicht Gegensätze sind, die sich ausschließen, sondern Geistesmächte, die sich harmonisch ergänzen. Ein anderer Grund für die Massentaufen in der damaligen Periode war die kränkende Zurücksetzung der Juden, welche die Gemüter tief verletzte; man ging zum Gegner über, von dem man gedemütigt worden war. Brennende Scham erfüllt uns, wenn wir an solche Verirrungen denken. In Berlin waren die meisten Taufen zu verzeichnen, sowohl relativ als auch absolut. Es ist leicht erklärlich, daß in großen Zentren die Zahl der Judentaufen unverhältnismäßig anwächst; da ist die Reibungsfläche eine weit größere; in dem mächtig treibenden großstädtischen Leben sind die Konflikte und die Versuchungen stärker. In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts konnte manchem um die Lebenskraft der jüdischen Gemeinde Berlin bange werden. Selbst wenn manche Berichte den Stempel der Uebertreibung an sich tragen, so ist die Wirklichkeit noch traurig genug. Im Jahre 1840 sollen von 8000 Juden in Berlin ungefähr 1000 getauft gewesen sein. So lautet ein Bericht, der allerdings angezweifelt wird. Wie dem auch sei, der Abfall war damals besorgniserregend. Als allmählich die Gegensätze zwischen Religion und Wissenschaft ihre Schärfe verloren und die Emanzipation weitere Fortschritte gemacht hatte, da wurde es besser in unserer Mitte; die Taufe nahm ab.

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