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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 489

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
489 (sequence 5)
Language
German
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489 Judentaufeu. gesetzlichen Bestimmungen in meinem engeren Vaterlande. Da muß ein jeder, der die Zugehörigkeit zu seiner angeborenen Religion aufgeben will, nicht vor dem Richter, sondern vor dem zuständigen Geistlichen seine Willenserklärung persönlich abgeben. Erst nachdem dieses geschehen ist, kann er zu einer anderen Religion übertreten. Der Gesetzgeber wollte es dem Geistlichen ermöglichen, seinen Einfluß zur Geltung zu bringen. Fünfzehn Jahre walte ich jetzt meines Amtes in Bayern, und während dieser langen Zeit hatte ich oft, ach zu oft, Erklärungen entgegenzunehmen, mit denen Juden sich von der Mntterreligion lossagten. Selbstverständlich habe ich, treu der gebotenen Pflicht, zu retten gesucht, so weit noch zu retten war. In den allermeisten Fällen war der Entschluß der zum Abfall Bereiten unabwendbar; zu den seltenen Ausnahmen gehörte es, wenn es mir gelang, solchen Entschluß zum Wanken zu bringen. In die Tiefe der Seelen dieser Renegaten konnte ich oft schauen, und Stunden habe ich dabei erlebt, in denen mich Mitleid und Entrüstung packten, Stunden, in denen bitteres Wehegefühl und berechtigter Zorn mein Inneres erfüllten. Männer und- Frauen versuchten, mit fadenscheinigen, unhaltbaren und unwahren Gründen ihre Abtrünnigkeit zu rechtfertigen; Männer und Frauen wandten zuweilen Dialektik und Scharfsinn auf, um das Unentschuldbare zu entschuldigen. Auch der Renegat will nicht als Heuchler erscheinen und benützt daher untaugliche Mittel, uni den Verdacht einer ehrlosen Gesinnung von sich abzuschütteln., In der Praxis habe ich das bestätigt gefunden, was wir alle in der Theorie wissen. Welt so viele Täuflinge rein vor den Augen der Mitmenschen scheinen wollen, ist es geboten, die innersten Beweggründe der Judentaufen in ihrem wahren Lichte zu zeigen. Sittliche Werte werden umgeprägt, sittliche Anschauungen werden verdunkelt, Worte werden verändert, um Unrecht in Recht zu verwandeln. Was oft geschieht, wird zur Gewohnheit; solche Gewohnheit trübt dann den Blick und kann leicht dem schnöden Unrecht den verwundenden Stachel nehmen. Weil die Zahl der Judentaufen zunimmt, gewöhnt sich der Durchschnittsmensch leicht an solche Erscheinungen und kann so den Gradmesser für eine gerechte Beurteilung verlieren. Man erschrickt geradezu, wenn man hört, wie von sonst beachtenswerter Seite das, was

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