Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 488

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
488 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316799-2343503--20528-2343540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

488 Im deutschen Reich. Protest zu erheben gegen eine Schmach, die uns von unfern eigenen Brüdern und Schwestern angetan wird. Die große Schar der Zuhörer legt Zeugnis davon ab, welch Liese' Beunruhigung durch 'unsere Reihen geht. Fehlen nicht aber gerade diejenigen, gegen die wir unsere Stimme erheben? Nehmen an 'der imposanten Versammlung auch die Wankenden und Schwankenden teil, die wir belehren und überzeugen wollen? Wird unsere Veranstaltung praktischen Segen zeitigen? — Ideale Faktoren lassen sich nicht messen, nicht wägen und nicht zählen: sie sind keine faßbaren Größen, die man berechnen könnte. Aber gleichviel, welche praktischen Erfolge wir erzielen werden, die Versammlung ist nicht umsonst einberusen worden; das beweist der Liese Ernst, der sichtlich aus Ihnen allen ruht; wir selbst haben das Bedürfnis, unserem bedrückten Herzen Luft zu machen, laut zu bekennen, wie jeder ehrenhafte Mensch über gesinnungslose Untreue denkt und denken muß; wir selbst haben das Bedürfnis, vernehmlich in die Welt hinauszurufen, daß das vom Gottesgeist erfüllte Judentum rein und lauter dasteht, auch wenn noch so viele Schwächlinge und Feiglinge von ihm sich abwenden. Meine Geehrten! Viel Neues werden Sie am heutigen Abend nicht hören und nicht hören können. Jeder von uns hat über das, was unsre Seele jetzt beschäftigt, sicherlich oft und viel nachgedacht; ist ja die Frage, die unser Gemüt erregt, eine solche, zu deren Beantwortung weder großer Scharfsinn noch viel Wissen gehört. Aber wie gute Bücher nicht oft genug gelesen werden können, um ganz verstanden zu werden, so können ernste Gedanken über ein ernstes Problem nicht oft genug erörtert werden, bis sie ganz erfaßt sind; leider gibt auch unser trauriger Stofs nur allzu reichlich Gelegenheit, ihm immer neue Gesichtspunkte abzugewinnen. Als Rabbiner der größten Gemeinde Bayerns habe ich in meinem Amt und durch mein Amt nur allzu oft die Möglichkeit, in die Seele der Täuflinge zu schauen. Nach preußischem Gesetz hat derjenige, welcher das Judentum verläßt, um sich der christlichen Religion zuzuwenden, bei dem zuständigen Gericht seinen Austritt aus dem Judentum zu erklären; dann vollzieht der Geistliche die von dem Apostaten gewünschte Taufe. Anders sind die betreffenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.