Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1910)
- Article
- Judentaufen
- Date
- 1910-07-01
- Page
- 487 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Iwerüaufeu. 4SI schuldig sprechen.^ Die Aufgabe, die sich unser Verein für den heutigen Abend gestellt hat, berührt die vitalsten Interessen des Judentums und der Judenheit; der Central- Verein würde fich einer Unterlassungssünde schuldig machen, wollte er 'schweigen, wo rückhaltloses Reden geboten ist. Geehrte Zuhörer! Ein anderes Bedenken kann ich nicht unerwähnt lassen, Üevor ich zum Thema selbst übergehe. Wir werden nicht umhin können, bei der Behandlung unseres Gegenstandes die Unterschiede zwischen Christentum und Judentum zu beleuchten. Selbstverständlich haben wir Respekt vor dem gläubigen Christen und Ehrfurcht vor jeder edlen Religion; der wahre Jude weiß, wie wehe es tut, wenn die religiöse Ehre angegriffen wird, und hat Hochachtung vor jeder ehrlichen religiösen Empfindung, in welcher Gestalt diese sich auch offenbart. Wenn wir gezwungen sein werden, auf die dogmatischen Anschauungen einzugehen, die Christentum und Judentum trennen, so geschieht es nicht, um anzugreifen, sondern um uns zu wehren, nicht, um lieblos zu kritisieren, sondern um uns zu verteidigen. Das Judentum, die Mutterreligion, erkennt im echten Christentum eine Tochterreligion, der unsere heilige Schrift auch als Heiligtum gilt, nur weiß die Mutter, daß sie selbst lebt und nicht gestorben ist, alK sie die Tochter geboren; weiter leben und wirken will sie zum eigenen und der Menschheit Segen und will sich dieses Recht nicht verkümmern lassen; dieses Recht ist eine beglückende, erhebende Pflicht. Die Mutter, die von der Wahrheit ihrer alten und ewig neuen Lehre felsenfest überzeugt ist, will sich nur schützen, wenn sie bedroht wird, niemals aber will und darf sie die Tochter verletzen. Unser Wort ist nur gegen die Treulosen gerichtet, die mit dem Judentum und dem Christentum einen elenden Schacher treiben; wenn wir heute zürnen, warnen und mahnen - werden, so wird der aufrichtige Christ uns dies nachempfinden. Noch ein anderes Bedenken kann uns jetzt entgegengehalten werden. Besser, wir selbst sagen es, als daß es andre uns sagen. Wird die heutige Versammlung einen wirklichen Zweck erreichen? Werden die Reden, die gehalten werden, nicht nur Reden bleiben? Werden die Worte nicht verhallen, als ob sie in den Wind gesprochen wären? Hunderte und abermals Hunderte haben sich hier eingefunden, um