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Im deutschen Reich · 1910-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1910) · p. 486

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1910)
Article
Judentaufen
Date
1910-07-01
Page
486 (sequence 2)
Language
German
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486 Im deutschen Reich. wir die Verfolgten und nicht die Verfolgenden gewesen sind. Wie -anders aber wirkt die Tragödie, die uns in dieser Stunde beschäftigt. Sie kann solche erhebenden Empfindungen nicht auslösen, unser Blick senkt sich zu Boden; denn die Schuldigen gehören zu uns, die eigenen Kinder sind es, welche die Mutter treulos verlassen. Ehe ich das traurige Bild der Judentaufen entrolle, muß ich einige Bedenken zum Ausdruck bringen. Es gibt Bedenken, die der Redner in seiner Studierstube überwunden haben muß und nicht auszusprechen braucht, wenn er das Katheder betritt; es gibt aber auch Bedenken, die ausgesprochen werden müssen, um Mißverständnissen vorzubeugen, welche die Verbindung zwischen dem Sprechenden und dem Hörenden stören könnten. Zuvörderst wird wohl manchem von Ihnen die Frage aus den Lippen schweben, ob der Staatsbürgerverein, der sich der hohen Ausgabe widmet, unser Recht in aller Oesfentlichkeit zu verteidigen, auch die Pflicht hat, den uns aufgezwungenen Kamps aus Judenraufen auszudehnen. Ist diese Frage nicht nur eine rein religiöse Angelegenheit, die der Geistliche von der Kanzel herab zu behandeln hat? Ueberschreitet nicht unser Verein, von dem alle religiösen Parteifragen ausgeschlossen sind, seine Befugnisse, wenn er den gewissenlosen Abfall in unserer Mitte an den Pranger stellt? Nein und abermals nein! ' Die Taufe hat mit einer bestimmten religiösen Richtung innerhalb der Judenheit nichts - zu tun. In der Beurteilung und Verurteilung des gesinnungslosen Glaubenswechsels sind wir alle einig, wie wir auch im einzelnen auseinander gehen mögen; die Taufe ist nicht nur ein Vergehen gegen die Religion als solche, sondern, wie mit Recht aus berufenem Munde soeben gesagt worden ist, eine Versündigung gegen unsere Gleichberechtigung; die Getauften fallen uns in die Arme, die für die Verteidigung unseres Rechts sich erheben, sie geben unseren boshaften Feinden gefährliche Waffen in die Hand, sie ermutigen unsere übermütigen Gegner zu den uns demütigenden Worten: „Eure eigenen Brüder, die in das Judentum hineingeboren sind, schämen sich, Juden zu sein; eure eigenen Brüder, die doch eure Religion kennen müssen, wollen nicht mehr derselben angehören; eure eigenen Brüder sind eure Richter, die euch

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