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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 476

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Der Mutter Blut [Rezension]
Date
1910-06-01
Page
476 (sequence 3)
Language
German
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476 Im deutschen Reich. von seiner Familie, seinen Freunden, die innerliche und äußerliche Trennung von seiner Frau, sein Zusammenstoß mit den Staatsgesetzen, seine Verurteilung, seine Krankheit, sein Tod. Die unzweifelhafte Tatsache, daß alle Kultur in Oberschlesien von deutscher und nicht von polnischer Seite herruhrt, veranlaßt den Verfasser, Licht und Schatten nach politischen und ittcljt nach dichterischen Grundsätzen zu verteilen. Der Ausbau der Ereignisse an sich ist nicht ungeschickt. Die äußeren Geschehnisse können sehr wohl, so wie sie dargestellt sind, sich abwickeln. Es ist manches sür Oberschlesien Charakteristische darin enthalten. In einen: Tendeuzromau, der sich nur einigermaßen bemüht, den wirklichen Verhältnissen gerecht zu werden, sollte man erwarten dürfen, daß auch der jüdische Teil der Bevölkerung seinen Verdiensten um die deutsche Kultur entsprechend behandelt wird. Daß sich der Jude in die Staatsideen eingefügt habe, wird in einer gelegentlichen Bemerkung zugestanden, aber nach der Ansicht desjenigen, der Wohl die Meinung des Verfassers ausspricht, ist er überall zunächst immer wieder Jude und dann erst Angehöriger des Staates, wo er das „Gastrecht" genießt! Wer darf es wagen, gegenüber Bürgern mit gleichen Rechten und Pflichten noch heute von „Gastrecht" zu reden? Nicht selten hat sich bei intensiver Nachprüfung bei derlei Provokationen gezeigt, daß die „Gäste" länger auf dem umstrittenen Boden zu Hause waren als die „Wirte". Als Figuren kommen Juden nur in drei Personen vorn Isidor Hirsch, dessen Frau Rebekka und Siegfried Berliner. Sie betreiben Schankwirtschaft. Falls dem Verfasser am Herzen gelegen haben sollte, Typen zu zeichnen, so ist es ihm gelungen, die allermiserabelsten auszutreiben. Daß es auch christliche oder jüdische Gastwirte mit gutem Herzen und guten Sitten gibt, scheint Herr Kurpiun nicht zu wissen. Herr Isidor Hirsch und Frau Rebekka sind körperlich unsympathisch, listig, ängstlich, feig, auf ihren Vorteil prinzipienlos bedacht, mit einem Wort: der Gesamtheit im höchsten Grade abträglich. Sie sprechen ein kauderwälsches, vorsintflutlsihes Jüdisch-Deutsch. — Herr Siegfried Berliner ist kürzer, aber nicht minder liebevoll, abgetan.

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