Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Der Mutter Blut [Rezension]
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 477 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherschäu. 477 Wenn die Regierung den Knrpinnschen Rouran wegen seiner starten deutsch-freundlichen Tendenz für Fortbildungsschulen und Volksbibliotheken empfiehlt, fo scheint sie anzunehmen, daß die jüdischen Verhältnisse eine besondere Berücksichtigung nicht erheischen. Eine derartige Empfehlung ist in höchstem Maße bedenklich, da der jüdische Teil der oberschlesischen Bevölkerung sich durch eine so einseitige und abträgliche Schilderung verletzt fühlen muß. Gibt es doch in Oberschlesien in allen größeren Städten eine Anzahl Juden, die als Aerzte, Rechtsanwälte, Kaufleute in den verschiedensten ehrenamtlichen Stellungen im Interesse deutscher Kultur und deutscher Politik in eifriger hingebungsvoller Arbeit tätig sind. Ihrer ist in dem Roman nicht mit einem Worte gedacht. Die einseitige ungünstige Darstellung jüdischer Verhältnisse ist — Lei der bestehenden Verallgemeinerungssucht — sehr wohl geeignet, in den jugendlichen Gemütern der Fortbildungs- und Volksschüler dauernden Schaden in bezug auf den Zusammenschluß der Deutschen christlichen und jüdischen Bekenntnisses anzurichten und kann in ihren Wirkungen zu den ungünstigen Resultaten führen, die die Oftmarkenpolitik in Posen verschuldet hat. Friedrich Naumann: Dre politischen Parteien. i. bis 5. Tausend. Buchverlag der Hilfe. Berlin-Schöneberg 1900. Die bei Naumann gewohnte Klarheit der Darstellung und Schönheit der Sprache zeichnet auch die von ihm gehaltenen Vorträge über die politischen Parteien, welche nunmehr im Druck erschienen sind, im hohen Maße aus. Feder- Leser wird mit großem Genüsse von dem Inhalt der Vorträge Kenntnis nehmen. Interessant sind folgende Ausführungen über die Entwicklungsgeschichte der antisemitischen Partei: „Nur die konservativen Nebenbewegungen haben noch weitere Programme hervorgebracht. Ich gehe in dieser Hinsicht auf die antisemitische Richtung und den Bund der Landwirte einigermaßen ein. Die Antisemiten, Christlich-Sozialen, Wirtschaftliche Vereinigung, oder wie sie sich in ihrem wechselvollen Dasein gerade nennen, haben verhältnismäßig sehr viele Programme. Alle diese Programme sind ausgebaut aus der Grundlage der konservativen Gedanken vom Jahre 1876, arbeiten