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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 461

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-06-01
Page
461 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 461 Paktieren mit antisemitisch angehauchten politischen Parteien zu verleiden. Der Abgeordnete Erzberger witzelte ja auch antisemitisch, als er aus einen Einwurf des Staatssekretärs Dernburg erklärte, dieser habe „mildernde Umstände für sich, wenn er im Neuen Testament nicht genau Bescheid wisse". Wenn aber auch manche Zentrumsblätter häufig in diese Tonart verfallen, erheben sich doch neuerdings Stimmen einflußreicher katholischer Theologen, um ebenso wie der protestantische Pfarrer Dr. Fischer vor dem Antisemitismus als einer Pst l a n z st ä t t e u n ch rist - sicher Gesinnungen zu warnen. In einer Protestversammlung der Mannheimer Katholiken gegen die Vorträge des profeffor Drews über das Thema „Hat Jesus gelebt?" erklärte der katholische Theologe Dr. Meffert aus M.-Gladbach: „Warum ist Herr Professor Drews ein Gegner des Christentums? Er ist das nach feinem eigenen Geständnis aus Antisemitismus! Drews sagte vom Christentum, daß es semitisch sei, und-deshalb könne man es nicht brauchen. Aus Ghillanys Büchern, die im Jahre 1842 erschienen sind, weist Prof. Drews in seinem Buche „Christusmythe" nach, daß die Juden zu einem Ritualmord verpflichtet sind. Dies Buch galt bei Prof. Drews als Grundlage. Wenn ich in einem Buche lese, daß die Juden zu einem Ritualmord verpflichtet find, dann mache ich das Buch zu und lege es beiseite. So hätte ich es als dummer Pfaffe gemacht. Aber der hochgelehrte Herr Universitätsprosessor macht es anders. Der nimmt das Buch und sagt: Da ist Wissenschaft darin. Und die Judenpresse hat ihm Beifall geklatscht, weil es gegen das Christentum geht. Aber woher die Beweise kommen, das hat sie nicht gewußt. Diese Schriften, die im Jahre 1842 geschrieben wurden, die sind geschrieben worden in der Absicht, eine allgemeine antisemitische Bewegung ins Leben zu rufen." Herr Dr. Meffert kann sich leider trotz seiner nichtantisemitischen Denkungsart nicht von dem ultramontanen Irrtum befreien, Aeußerungen solcher Preßorgane, die zwar von Juden herausgegeben, aber von Christen und Dissidenten redigiert werden, als „Judenpresse" anzusehen und glaubenstreuen Juden zur Last zu legen, was

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