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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 460

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-06-01
Page
460 (sequence 6)
Language
German
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460 Iw deutschen Reich. gerade die irreligiösen Schichten der sogenannten höheren Klassen, in denen der Rassenhaß wuchert: der echte Christ ist nicht unduldsam. In einem am 9.. Mai von dem Pfarrer Fischer in Berlin im Verein zur Abwehr des Antisemitismus gehaltenen Bortrage hat dieser Geistliche der Jerusalemer Kirche in Berlin die Frage „Verträgen sich LhrUsLerrtrrnr und Antisemrtrsnrus?" behandelt und in kräftigen Worten verneint. Die von den Antisemiten angestrebte wirtschaftliche und geistige Abforderung von den Juden widerspreche nicht nur der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, den Grundpfeilern der christlichen Religion, sondern auch dem Wesen des Christentums. Auch das Rassenvorurteil sei unchristlich; Paulus sei z. B. sicher Rassejude gewesen, und es liege gerade im Charakter des Christentums, die Menschen nicht nach Farbe, Rasse und Abstammung zu sondern. Ein echter Christ könne darum unmöglich Antisemit sein. Immer deutlicher streift ja auch der Antisemitismus die monarchische und christliche Tünche ab, durch die er bei den frommen Konservativen sich mit bedauerlichem Erfolge einzubürgern gewußt hat. Wo sie die Maske äbzuwerfen sich getrauen, da äußern sich die Judenfeinde ähnlich wie kürzlich der „alldeutsche" Ernst Wächter in Weimar tu der Zeitschrift „Der Hammer": „Fort mit Sagen und Erzählungen, Lehrsätzen und Sittenlehre der Juden wie der Christen? Fort mit dem asiatischen, von Rom aus bei uns eingeschleppten Kultus! Es ist nicht nur eine Forderung der Freidenkenden, sondern e i n e s o l ch e d e r a r i s ch e n G r u n d i n st i n k t e: die Kirche mit all ihrem Zubehör muß abgeschafft werden. Haben die Griechen denn eine gehabt? Oder ursprünglich die Deutschen? Hatten sie nicht beide das von Satzungen unbeschränkte Wachstum und die freie Entfaltung von Religion, Mythos, Poesie und Brauch, diese strahlenden Geschwister? Wir würden wie von. einem Alb befreit aufatmen: der Zwist der Bekenntnisse fiele in nichts zusammen, und das öffentliche und staatliche Leben, in dem heut die römische Kirchenpartei, alle Entwicklung lähmend, als Zentrum herrscht, würde sofort die ungeheuren Folgen der religiösen Umwälzung verspüren." Solche „alldeutsche" Aeußerungen sollten genügen, um den Führern des Zentrums das

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