Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 457 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 457 öffentlichung mitgeteilt zu haben. Wie sollte aber ein Offizier sagen, er ziehe bei der Beförderung oder der Wahl die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft in Betracht, wenn er weiß, daß er damit gegen die amtlichen Anweisungen und den Willen des obersten Kriegsherrn verstößt? Also hat man immer andere Gründe für die Zurücksetzung oder Abweisung. Und Gründe sind wohlfeil wie Brombeeren, in diesem Falle noch viel wohlfeiler." — Das offizielle Gebühren, mit welchem der Kriegsminister dem Borwurf antisemitischer Tendenzen bei der Zulassung zur Ofsizierswahl begegnet, ist im „Kladderadatsch" gegeißelt worden, in dem es heißt: Der Kriegsminister fragt verwundert: „Weiß man dies sicher und gewiß? Ist denn im zwanzigsten Jahrhundert Die Religion ein Hindernis?" So fragt der Herr, der ahnungslose: Er hat von dieser ganzen Schose Keine Ahnung. Er hat die Akten durchgesehen, Die Konduiten u. s. f. Drin müßte es doch sicher stehen, Allein er fand davon kein Wort. Ja wohl, von allen diesen Fakten Fand er in den erwähnten Akten K e i n e A h n u n g. Die Sache ist aber eigentlich zu ernst für bloßen Spott und um so bedenklicher, als selbst die katholische Bevölkerungsminderheit, trotzdem das Zentrum im Block jetzt Hand in Hand mit den Verteidigern der Standesvorrechte vorgeht, die verspotteten Maximen sehr ernst zu nehmen scheint. Die katholische „Köln. BolkszeiLung" druckte den Artikel der „Boss. Ztg." ab und bemerkte dazu: „Zu den Ausreden, welche gemacht werden, um die Zurücksetzung der Katholiken zu verteidigen, kann man auch mit der „Boss .Ztg." sagen: „So plump ist das Unrecht nicht, daß es das letzte Feigenblatt ablegen sollte", und ferner: „Man hat immer andere Gründe für die Zurücksetzung oder Abweisung." In Wahrheit ist Preußen noch immer nicht verfassungsrechtlich, aber tatsächlich