Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Britz-Lübeck / W.
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 453 (sequence 4)
- Language
- German
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Britz-Lübeck. 453 zuleiten, da sie ohne Angabe von Gründen, die offenbar meiner Zugehörigkeit zum Judentum galten, die kollegialen Pflichten in standesunwürdiger Weise verletzt haben. Mit vorzüglicher Hochachtung, ergebenst gez. Magnus Mattissohn. Vorstand der Aerztekarnmer der Freien und Hansastadt Lübeck. Lübeck, 7. 4. 1910. Herrn Magnus Mattissohn, Med. Prakt., P o s e n, Stadtkrankenhaus. Auf Ihr Schreiben vom 9. 3. 10 teilt Ihnen der Aerztekammervorstand folgendes ergebenst mit: Durch ein Schreiben vom 2. 2. 10 an den Vorsitzenden der Aerztekammer hat bereits Herr Dr. Schlomer Hierselbst die Wahrnehmung Ihrer Interessen sich angelegen sein lassen. Direkten Bezug auf Ihre Eingabe an das hiesige Ehrengericht haben aus dem diesseitigen Antwortschreiben vom 14. 2. 10 folgende Stellen: „Eine Betätigung antisemitischer Tendenzen in der Leitung des Allgemeinen Krankenhauses ist dem Aerztekammervorstand bisher nicht bekannt geworden. Einer solchen Annahme dürften auch sowohl die wiederholte längere Beschäftigung jüdischer Assistenzärzte, im Krankenhaus, wie die Ihnen gegenüber gemachten Darlegungen Dr. Hofstaetters widersprechen. Ihre Beschwerde kann im übrigen nicht Gegenstand weiterer Prüfung oder Entscheidung des AerzLekammervorstandes als ärztlichen Ehrengerichts sein, da einerseits politische und religiöse Ansichten oder Handlungen eines Arztes als solche niemals Gegenstand eines ehrengerichtlichen Verfahrens werden können, andererseits dem Ehrengericht die nicht wahlberechtigten Assistenzärzte des Krankenhauses nicht unterstehen." Weitere durch Ihr Schreiben veranlagte eingehende Ermittelungen haben den Aerztekammervorstand zu der Er-