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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 454

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Britz-Lübeck / W.
Date
1910-06-01
Page
454 (sequence 5)
Language
German
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454 Im deutschen Reich. kenntnis geführt, daß die ablehnende Haltung der Assistenzärzte vielmehr durch persönliche, nicht durch religiöse Momente beeinflußt gewesen zu sein scheint, und daß irgendein Anhalt, gegen Herrn vr. Hofstaetter ein ehrengerichtliches Verfahren zu eröffnen, nicht vorhanden ist, wie auch die von Ihnen bereits angerufene höchste Instanz, der Senat, einen Anlaß einzuschreiten nicht gefunden hat. Der A e r z t e k a m rn e r v o r st and.' gez.: Dr. P. Reuter, gez.: Dr. Gaz z o w , Vorsitzender. Schriftführer. Es ist bedauerlich, daß es eine Berufung gegen das Urteil des Lübecker Ehrengerichts, dem übrigens Herr Dr. Hofstaetter als stellvertretendes Mitglied angehört, nicht gibt. Die Ausführungen des Urteils sind in verschiedenen Punkten anfechtbar. 1. Jüdische Assistenzärzte g a b e s a l l e r d i n g s f r ü h e r an dem Lübecker Allgemeinen Krankenhause. Auf das spätere Verhalten wirft das Inserat Licht, in welchem ein christlicher Assistenzarzt gesucht wird. 2. Um politische und religiöse Ansichten als solche handelt essich nicht, sondern um die unkollegiale Behandlung und Isolierung eines Kollegen, der das gesetzlich auferlegte Jahr als Praktikant ab leisten wollte, ordnungsmäßig angenommen war und sobald er seine Nase in das Kasino steckte, den Herren Anstaltsärzten „persönlich" so wenig gefiel, daß sie erklärten, nicht mit ihm speisen zu können. Wenn nun auch diese Herren der Ehrengerichtsbarkeit nicht unterstehen, so wäre es Sache des dirigierenden Arztes gewesen, sie darauf hinzuweisen, daß sie den in das Krankenhaus berufenen Kollegen als solchen zu behandeln hätten. Der Fall erinnert lebhaft an das Vorkommnis im Teltower Kreiskrankenhaus zu Britz, — nur mit einem Unterschied. In Lübeck erklärte der.dirigierende Arzt, seine Assistenten hätten „persönliche" Gründe, über die keine Auskunft gegeben werden könne; in Britz erklärte der dirigierende Arzt: Meine Herren Assistenten wollen keine Juden, also kann ich Sie nicht gebrauchen. W.

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