Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 445 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Juden im Weltbild. 445 Relief, einen stärkeren Resonanzboden geben zu müssen. Im allgemeinen nehmen wir diese Elemente nicht mehr für uns in Anspruch. Eine Besprechung des Anteils der Inden an der Kulturentwicklung und ihrer Stellung im Weltbild kann aber an solcher Inanspruchnahme nicht vorbeikommen. Die rasche Karriere der getauften Juden beweist ebenso wie die den Inden in romanischen Staaten zuerteilten leitenden Posten, daß die geistige Bedeutung des Judentums noch viel umfassender ist, als in den statistischen. Aufmachungen und in der beruflichen Gliederung der Bevölkerung zum 'Ausdruck kommt. Es hat einmal jemand die Juden den Sauerteig des europäischen Völkerbreies genannt. Mich dünkt, wir dürfet: mit dieser Bezeichnung wohl zufrieden sein: denn so wie der Sauerteig die trägen Massen des Mehles durchdringt, sie antreibt sich auszudehnen, zu wachsen, sich zu genießbaren Gebilden zu gestalten, die dann im Ofen ihre letzte Reife empfangen, so läßt dieser Vergleich die Juden als das vorwärtstreibende Element -erscheinen, dessen, nervöse Energie sich auf allen Gebieten durchsetzt und betätigt, von dem die kulturelle Entwicklung wichtige und gewichtige Impulse empfängt. Wir dürfen uns diesen Vergleich wohl gefallen lassen und können stolz darauf sein, zu jenem Häuflein zu gehören, das, so klein an Zahl, doch allzeit so gewaltige Wirkungen ausgelöst hat und dauernd auslöst. Stolz darauf, nicht weil wir uns für ein auserwähltes Volk halten, -sondern weil es unserem Volk beschieden war, der Menschheit so viel Kulturwerte zu bringen, dem Weltbild so manche leuchtende Farbe aufzuprägen. Noch ein Weiteres können wir für die Juden in Anspruch nehmen. Sie sind die Lehrer und Verkünder der Menschenschätzung, die nicht an den Grenzen des Vaterlandes Halt macht, sondern die international ist. Wie Börne in einem seiner Pariser Briefe (Februar' 1833) sagt: „Die Nationalität der Inden ist auf eine schöne und beneidenswerte Art zugrunde gegangen. Sie ist zur Universalität geworden . . . Die Juden sind die Lehrer des Kosmopolitismus. Und weil sie die Lehrer des Kosmopolitismus sind, sind sie auch die 'Apostel der Freiheit."