Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 444 (sequence 6)
- Language
- German
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444 Im deutschen Reich. Abglanz gefunden hätte, und gar mancher hat von ihm seinen unvergeßlichen und unvergänglichen Ausgang ' genommen. Wie in der Wissenschaft, so in der Kunst und Literatur. Wir wollen dabei in diesem Zusammenhang gar nicht an die Schätze der eigentlichen hebräischen Poesie denken, die einen unserer Klassiker, Herder, zu seinem: „Vom Geiste der hebräischen Poesie" begeistert haben, sondern nur an den Einfluß, den jüdischer Geist und jüdisches Empfinden aus die Völker hatten, unter denen die Juden wohnten. So waren es Juden, die an der Wiege der hochbedeutenden spanischen Literatur standen, und selbst das volkliche Heldengedicht der Spanier, der Cid, beruht ursprünglich aus der Erzählung eines Juden, des Jbn Faradsch. Auch Antonio Jose de Silva, der Lieblingsdichter der Portugiesen, der um seines Glaubens willen den Scheiterhausen bestieg, worein Jude. Und unsere Zeit? Noch sind wir nicht im tatsächlichen Genuß und Besitz der bürgerlichen Gleichberechtigung, die uns unsere Gesetzbücher versprochen haben. Noch mangelt es nicht an gesellschaftlichen Scheidewänden, die uns daran hindern, so, wie wir es möchten, in dem Volkstum aufzugehen, in das wir hinein geboren wurden, das uns unsere Sprache gegeben, an dessen Geistesschätzen wir unser Denken und Empfinden geschult haben, an dein wir mit allen Fasern unseres Herzens hängen und das, allem Zionismus zum Trotz, unser Volk ist. Noch fehlt gar viel daran. Und doch! Welch herrliche Blüte jüdischen Geistes, jüdischen Wollens und Könnens hat sich heute schon innerhalb unserer und aller anderen Kulturgemeinschaften entfaltet! In Kunst und Wissenschaft! In Politik und Sozialpolitik! Nennt man die besten Namen, werden auch unsere genannt! Das kann und darf das Judentum sich mit Stolz sagen. Und weit, weit über die Grenzen unseres Bekenntnisses hinaus reichen diese besten Namen, die der jüdischen Erbschaft ihres Blutes ihre geistige Größe verdanken. Ich denke hier an jene, die geglaubt haben, ihrem Können und ihrem gerechten Anspruch durch die Taufe ein