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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 443

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Juden im Weltbild
Date
1910-06-01
Page
443 (sequence 5)
Language
German
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Die Juden im Weltbild. 443 Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir uns an dieser Stelle in einer Aufzahlung dessen ergehen, was jüdische Hilfsbereitschaft, jüdische Güte und Menschenliebe der Menschheit von je gegeben haben und hoffentlich an Geld und Gut, aber auch an persönlicher Hingabe und Opfer- Willigkeit allzeit geben werden. Und nun die Juden im geistigen Bilde der Zeit! Es ist unmöglich, im Rahmen einer Abhandlung dein gerecht zu werden, was das Judentum allzeit für die Geisteskultur der Menschheit bedeutet hat. Vom Hohenliede und den Sprüchen Salomonis bis zu Heine, von den Propheten über Philo und Mainwuides bis zu Spinoza und Mendelssohn. Unsere gesamte so stolze und hochragende Wissenschaft' wäre undenkbar ohne die getreue Vor- und Mitarbeit der Juden. Insbesondere gilt das für die Heilkunde, von der der größte Historiker der Medizin sagt: „Die Wissenschaft der Medizin ist ohne die Tätigkeit der Juden überhaupt nicht zu denken." Selbst in den Zeiten, in denen man die Juden am härtesten bedrückte ünd am tiefsten erniedrigte, wußte man das umfassende Wissen ihrer Heilkundigen zu schätzen und zu nützen. Juden waren die Lehrer der Medizin an den ersten europäischen Hochschulen zu Montpellier und Salerno, und schon im 9. Jahrhundert war ein jüdischer Arzt, Isaak Israeli, so weit fortgeschritten, daß er über das Fieber eine Abhandlung schrieb, die noch Lausend Jahre später von der modernen Wissenschaft als zutreffend anerkannt wurde. Unter denen, die Columbus aus seiner kühnen Entdeckerfahrt begleiteten, befand sich ein jüdischer Arzt, und der Mathematiker, von dessen Berechnungen das Schicksal der ganzen Expedition wesentlich abhing, war gleichfalls ein Jude. In der Medizin und Mathematik, in der Physik, der Pflanzenkunde, auf allen Gebieten der biologischen Forschung, in der Philosophie wie überhaupt in allen Wissenschaften haben sich die Juden im Laufe der Zeiten nicht nur mit Ehren behauptet, sondern in hervorragender Weise ausgezeichnet. Kein Strahl geistigen Erkennens und sittlicher Schönheit hat die Jahrhunderte erleuchtet, der nicht in Juda einen

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