Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 441 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316791-2316798-2343352--20428-2343433- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Juden im Weltbild. 441 eines alten Geschäftes bewahren, sie wollen an der Spitze bleiben und mindestens so viel leisten können, wie jeder andere auch. Diese jüdischen Elemente bringen ihren Heimatländern den denkbar größten Nutzen. Sie steigern durch ihre Tätigkeit die industrielle und handelspolitische Leistungsfähigkeit ihres Landes, sie erhöhen seinen Wohlstand, sie festigen seine weltwirtschaftliche und weltpolitische Stellung: sie sind mit einem Wort ein Faktor von unvergleichlichem wirtschaftlichem Wert. Freilich hat die Sache auch eine Kehrseite, und ich bin geneigt, in dieser Kehrseite die einzig wirkliche jüdische Gefahr zu sehen und zwar sowohl für die anderen als auch für das Judentum selbst: die unablässige, angespannte Betriebsamkeit wirkt geradezu nervenzerrüttend. Die Juden sind so recht eigentlich die Schrittmacher des Erfolges. Sie lauschen angestrengt in die Zeit hinaus, und wenn ihnen von irgendwoher ein Ruf kommt, so stürmen sie drauflos, und die andern — müssen mit. Sie müssen! Vielleicht begegnet diese meine Auffassung manchem Widerspruch. Mir schien sie aber zur Kennzeichnung der Stellung der Juden im und zum Weltbild unerläßlich. Unmittelbar nach dem Einschlag, den die Juden im Gewebe der Weltwirtschaft bilden, ist wohl jener zu würdigen, der die Juden als sittliche Persönlichkeiten umfaßt. Leuchtend hebt sich da vor allen Dingen von dem Goldgrund tausendjähriger Erfahrung die jüdische Familie ab. Die jüdische Familie, von der Güdemann (Das Judentum in seinen Grundzügen und nach seinen geschichtlichen Grundlagen dargestellt, S. 15) so treffend sagt: „Das Judentum hat seine Bekenner zwar nicht nerpflichtet, seiner Lehre die Welt zu erobern, aber es hat sie in der Kunst unterwiesen, im Haus und in der Familie sich eine Welt zu gründen. In der Kunst sind sie nicht übertroffen." Und halten wir Einkehr in uns, so erkennen wir, daß wir das Beste dessen, was an Liebesfähigkeit und Innigkeit in uns ist, der jüdischen Familie, unserer Familie verdanken. Mögen wir noch so glaubensabgewandt geworden sein: wie ein Helles Licht strahlt der Sederabend zu uns herüber, und