Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im Weltbild
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 440 (sequence 2)
- Language
- German
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440 Im deutschen Reich. Juden bereitwillig Aufnahme gewährt hatte: „Wie könnt ihr nur Ferdinand von Aragonien einen klugen König nennen, denselben Ferdinand, der sein Land arm gemacht und unser Land bereichert hat?" Ebenso hat es Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, niemals zu bereuen gehabt, daß er den 1671 aus Wien vertriebenen Juden in seinen Landen gastliche Aufnahme gewährte, und in anderem Zusammenhang haben wir bereits davon gesprochen, daß die Fürsten und Herren des Mittelalters sich immer wieder und ganz gewiß nicht im Interesse der Vertriebenen, sondern aus wohlverstandenem Egoismus genötigt sahen, die Verfolgten und Ausgewanderten zurückzurufen und nach Kräften zu schützen. Wir könnten noch Beispiele die Fülle anführen, aus denen die wirtschaftliche Bedeutung und die nüchterne, unermüdliche Betriebsamkeit wie der wirtschaftliche Ideenreichtum des Judentums hervorgeht: begnügen uns aber damit, eine Feststellung zu machen, die jeder leicht nachzuprüfen in der Lage ist und die auch von jedermann, von vielen freilich in einem gehässigen Nebensinnc, zugegeben wird: die Juden gehören überall da, wo ihnen einige Freiheit und Entwicklungs- Möglichkeit gegeben wird, überall, wo sich ihnen, wenn auch nur spärlich, die Quellen der Bildung und des Wissens erschließen, zu den strebsamsten, unternehmungslustigsten und erfolgreichsten Elementen der Bevölkerung. Diese betriebsamen, nüchternen, geradezu bienenfleißigen Kaufleute, die sich bei Tag und Nacht keine Ruhe gönnen, deren geistige Bereitschaft die Welt umspannt, die immer auf der Lauer liegen, damit ihnen keine noch so unbedeutende Veränderung und Neuerscheinung der Weltwirtschaft und des Weltmarktes entgeht. Vielen von ihnen, und nicht den schlechtesten, ist es dabei gar nicht in erster Linie um den materiellen Erfolg zu tun. Es gibt jüdische Kaufleute genug, deren materielle Existenz auf granitnen Säulen ruht, die vielleicht jährlich Hunderttausende zu Zwecken der Wohlfahrtspflege und Wohltätigkeit verausgaben, die es also, wie man wohl zu sagen pflegt, gar nicht nötig hätten, sich so zu plagen, und die dennoch auf dem Posten sind wie der letzte ihrer Angestellten. Es gilt ihnen um die Aufrechterhaltung ihrer Kaufmannsehre. Sie wollen den Standard