Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heer
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 436 (sequence 16)
- Language
- German
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436 Im deutschen Reich. messen der Offizierkorps, der Regimentskommandeure usw., und Majestät lehnt es ab, in dies freie Ermessen einzugreifen. Freies Ermessen des Offizierkorps! Was ist denn entscheidend? Das Vorurteil, welches den ganzen Stand, welches zum mindesten die Mehrheit der Betreffenden erfüllt, das ist das Entscheidende. (Sehr richtig.) Aber ich führte in der Einleitung an, daß es in Artikel 47 der Verfassung heißt: der König erwählt die Offiziere. Wie stimmt denn dies Verfahren damit überein? Der König ist ja gar nicht frei in der Wahl und Beförderung der Offiziere, e r i st j a ci b h äugig davon, w a s i h m die Offizie r k o r P s z u m B o r s cht a g b r i n g e n. In welcher anderen Beamtenkategorie konunt etroas Analoges vor? Meine Damen und Herren! All' dies läßt uns erkennen, daß dies ganze Verfahren verfassungswidrig ist, daß nicht nur die Rechte der jüdischen Mitbürger, nein, auch die Rechte des Monarchen selbst eingeengt und verkümmert werden. (Sehr richtig!) Aber — führt der Herr Kriegsminister noch an — dies Wahlverfahren ist ja so recht demokratisch, und damit wollte er uns gegenüber zum Ausdruck bringen, wir könnten dagegen nichts einzuwenden haben. Run, wir wüßten schließlich ein demokratisches Wahloerfahren, man könnte ja einmal die Wahl nicht jenen exklusiven, in gewissen Kreisen groß gewordenen Elementen überlassen, man möge einmal wirklich die Soldaten wühlen lassen, alle nniteinander, vielleicht kommt ein anderes Resultat heraus! (Sehr gut!) Im übrigen wird in der Gegenwart mit dem Worte „demokratisch" so viel Unfug getrieben (Sehr richtig!), daß es mich gar nicht wurdert, daß auch der Herr Kriegsminister sich daran beteiligen will. (Heiterkeit.) Jeder nennt sich Demokrat, der der Meinung ist, der andere hat sich seinem Willen unterzuordnen; und wenn er es nicht tut, ist es nichts mit der Demokratie. Gehen wir darüber zur Tagesordnung über. (Bravo!) Angesichts all dieser Vorkommnisse dürfen wir wohl fragen: Wie steht denn Deutschland in dieser Beziehung gegenüber allen anderen Staaten da? „Deutschland in der Welt voran'? - - und dabei kehren roir in gewissen Einrichtungen, in der Frage der Gleichberechtigung gewisser Teile des Volkes zu Zuständen zurück, die denn Mittelalter augehört haben. (Sehr' wahr!) Kein Staat der Welt ist u a ch d e r R i ch r u n g