Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heer
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 435 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden im deutschen Heer. 435 das niedere Volk charakterisiert durch die niedrige Gesinnung. (Lebhafte Zustimmung.) Daß das Volk, das, was wir im gewöhnlichen Sprachgebrauch als die Masse des Volkes bezeichnen, nicht so denkt, wie der Herr Kriegsminister von Heeringen meint, das können wir ja tagtäglich wahrnehmen. Man braucht nicht nur achtunggebietende Persönlichkeiten beim Militär, das wirtschaftliche Leben erfordert sie auch. Um einen industriellen Betrieb zu leiten, einem großen Unternehmen vorzustehen, dazu gehört auch eine achtunggebietende Persönlichkeit (sehr wahr!), manchmal mehr Persönlichkeit, als dazu, ein Dutzend Rekruten zu drillen. Und sind nach dieser Richtung die achtunggebietenden Persönlichkeiten nicht auch in anderen Klassen und Religionsgemeinschaften zu finden, gibt es nicht Hunderte und Aberhunderte Mitbürger jüdischen Glaubens, die großen Etablissements vorstehen, und die Achtung und Ansehen genießen? Das Volk fragt nicht nach dem Glauben, das Volk fragt nach dem Wissen und Können, fragt danach, wie der einzelne den Arbeitern zu imponieren versteht. (Sehr richtig.) Und haben nicht weiter die Bolkskreise wiederholt gerade Männer auch jüdischen Glaubens zu ihren Führern in achtunggebietenden Stellungen gemacht? Ich nenne Laster, ich nenne Lassalle, ich nenne Bamberger, Dr. Max Hirsch, Ludwig Löwe; ich nenne auch einen Mann der Gegenwart, wie Singer. Das sind Männer achtunggebietender Persönlichkeit auf wirtschaftlichem, wie auf politischem Gebiete (bravo!), und Tausende und Abertausende von Mitbürgern aus allen Ständen und Schichten haben zu ihnen hinaufgeblickt, haben ihre Autorität anerkannt, und gern sich dieser Autorität unterworfen. Ja, aber wenn es wirklich zuträfe, daß die niederen Volkskreise — ich will jetzt im gewöhnlichen Sinne sagen, daß die Arbeiterkreise — so dächten, wie der Herr Kriegsminister von Heeringen ausführt, wäre dann das berechtigt, was er sagte? Wir antworten: Nein! Seit wann fügt sich denn die Regierung der Anschauung dieser Kreise (Sehr guck!), besonders, wenn dieselben sich aus Irrwegen befinden? Dann ist es doch Aufgabe und Pflicht der Regierung, diese Kreise von ihrer falschen Auffassung zurückzubringen, sie auf den rechten Weg zu geleiten. (Bravo.) Weiter wies der Herr Kriegsmiusiwr von Heeringen darauf hin: die Wahl der Offiziere erfolgt nach freiem Er-