Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heer
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 429 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Juden im deutschen Heer. 429 haben alle gekämpft. Umreit alte bereit, ihr Leben einzusetzen für Fürst und Vaterland. (Lebhafter Beifall.) Es ist festgestellt worden, daß damals im siebziger Kriege noch hundert jüdische Offiziere vorhanden waren, mehr als 60 in Preußen, 22 in Bayern, die übrigen verteilten sich auf Sachsen, Baden, ja auch Mecklenburg. (Heiterkeit.) Diese Offiziere waren sogar zum Teil befördert worden; es waren darunter Hauptleute, Stabsoffiziere, und dazu kamen die Sanitätsoffiziere. Ich glaube, die Reihe der Männer unter den Lebenden ist nicht gering, die damals ihre volle Schuldigkeit getan haben. Ich erinnere nur an Feige in Breslau und andere, die nachher zu ihrem Schmerze erleben mußten, daß, obgleich sie selbst Offiziere gewesen waren, man ihre Söhne nicht mehr für wert hielt, den Offiziersrock zu tragen. (Pfuirufe.) So war es bis zum Jahre 1880. Dies Jahr ist uns Berlinern ja noch allen in Erinnerung. Es ist die Zeit, wo Herr Ahlwardt seine Triumphe feierte, als ich noch Herrn Henriei im offenen Wagen am Wahltage durch die Oranienstraße und Kommandantenstraße spazieren fahren sah, damit auch das Volk den Anblick dieser Führer haben sollte. (Heiterkeit.) Das ist die Zeit, wo der Prediger der christlichen Liebe, Herr Stöcker, den Sturm auf das „rote Haus" inszeniert hat, das ist die Zeit, wo der Verein der deutschen Studenten das große Wort in der Politik führte, wo der Antisemitismus seine Orgien gefeiert hat, nicht nur draußen im Lande, sondern auch in der Reichshauptstadt. Seit dieser Zeit hat sich zwar der Radau-Antisemitismus verloren, man schämt sich jetzt der „edlen" Führer (sehr gut), denen man damals zugejubelt hat. Aber der Geist, den jene Männer gepredigt haben, der ist lebendig geblieben (Zuruf: Leider!), und die Jugend, die damals in den achtziger Jahren in dem Verein deutscher Studenten diese Gesinnung in sich ausgenommen hat — vergessen wir nicht: d a s sind jetzt die entscheidenden P e r s ö n l i ch k e i t e n i n u n s e r e r V e r w a l t u n g. (Lebhaftes Sehr richtig!) Die Geister, die die Regierung damals gerufen hat, sie wird sie jetzt nicht los. Daher die eigenartige Erscheinung, daß Minister scharf verurteilende Worte aussprechen, Besserung Zusagen, den Willen des Monarchen durch Verfügungen hinausgeben und die Geister draußen im Lande kümmern sich nicht darum. (Sehr wahr.) Man wird die