Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1910)
- Article
- Die Juden im deutschen Heer
- Date
- 1910-06-01
- Page
- 424 (sequence 4)
- Language
- German
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424 Im deutschen Reich. Heere zu genügen haben, in gleicher Lage. Aber darüber hinaus haben unsere jüdischen Mitbürger vielfach noch besonders zu leiden. (Sehr richtig!) Es wäre interessant, festzuftellen, in welchem Umfange all die Quälereien, all die Verspottungen, die Verachtungen stattfinden, und wieviel der einzelne, wenn er in das Heer eintritt, auf sich nimmt und herunterwürgt, o'^ue and) nur darüber den Mund aufzutun und zu klagen; denn er weiß ja, alle Klagen sind vergeblich, niemand kann helfen, auch die Liebsten nicht daheim; sie Wauen alle in der gleichen Lage und haben die gleichen Erfahrungen machen müssen. Darum tritt nach dieser Richtung hin schon ein Unterschied gegenüber den Nichtjuden hervor. Aber wie steht es denn nun mit den Rechten, die den Pflichten gegenüber erhoben werden können und müssen? Die Gegenwart zeigt uns, daß wir seit den 62 Jahren, seitdem die Verfassung dem preußischen Volke gegeben worden ist, auch nicht ein Jota vorwärts, sondern in jedem Jahre und Jahrzehnt zurückgekommen sind. (Sehr richtig!) Seit dem Jahre 1880 ist es nicht mehr möglich gewesen, auch nur einen einzigen der vielen Tausende jüdischer Einjahrig- Freiwilliger in die Reihen der höheren Vorgesetzten einrücken zu lassen. (Hört, hört!) Man ist verpflichtet, Gründe dafür anzugeben. Daß durch dies Verhalten der klare Wortlaut der Verfassung verletzt wird, das kann, das darf natürlich niemand zugeben. Man sucht nach anderen Gründen, und je nach der Eigenart, nach der Gesinnung und dem Charakter hat man auch verschiedene Gründe gefunden. Der Rassenantisemit erklärt rund heraus: der Jude ist weder physisch noch moralisch in der Lage, überhaupt zu dienen, seinen Pflichten beim Militär in rechter Weise nachzukommen, viel weniger aber Vorgesetzter zu werden. — Es widerstrebt mir eigentlich, auf derartig rohe Gründe mit einem Worte einzugehen; dennoch muß man sich dieser unerfreulichen Pflicht unterziehen. Ist es denn richtig, was die Antisemiten behaupten, daß körperliche Unzulänglichkeit hier entscheidend ist? Die Herren behaupten, die Statistik lehre, daß der Prozentsatz der Militärtauglichen bei unseren jüdischen Mitbürgern geringer sei, als bei anderen Ständen. Das mag in gewisser Weise zutreffen, aber wenn man ehrlich sein will, muß man auch die Gründe dafür anführen. Eine verschiedenartige