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Im deutschen Reich · 1910-06-01 · Heft 6 (Juni 1910) · p. 423

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 6 (Juni 1910)
Article
Die Juden im deutschen Heer
Date
1910-06-01
Page
423 (sequence 3)
Language
German
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Die gubeif tm deutschen Heer. 423 Nicht ohne Grund habe ich diese Auswahl aus den Sätzen der Verfassung getroffen, und es gilt nun zu prüfen, inwieweit diese klaren Aussprüche der Verfassung in der Gegenwart auch zur Anwendung kommen. Wenn jetzt die Frage aufgeworfen wird: Lebt denn der Geist der Verfassung noch in der Gegenwart fort? so müssen wir leider erklären: Nein, nicht einmal der Wortlaut der Verfassung wird in richtiger Weise aufgesaßt, mißachtet wird er vielfach durch die Organe der Verwaltung Tag für Tag, in jeder Stunde. (Lebh. Zustimmung!) Ein Blick aus die Zustände in Preußen und im Reiche zeigt uns: der Geist ist heraus und der Wortlaut vielen nicht bekannt oder für sie nicht existierend. Am krassesten allerdings tritt der Widerspruch zwischen dem Wortlaut der Verfassung und der Verwaltungs- Praxis in die Erscheinung, wenn es sich darum handelt, die Stellung unserer jüdischen Mitbürger im Heere und zum Heere zu beleuchten. Unser Heer ist ein Volksheer, alle Teile des Volkes sind verpflichtet, in dasselbe einzntreteu nnd im Heere ihre Pflicht zu erfüllen. Die Wehrpflicht ist eine allgemeine für Christen und Juden, und diese Pflichten werden auch in der Gegenwart von jedem Teile des Volkes gern und willig übernommen. (Sehr richtig f) Aber wie steht es denn mit den Rechten? Doch ehe wir an die Beantwortung dieser Frage herantreten, müssen wir die Vorfrage erörtern: Wie ist es denn überhaupt mit der Be h a n d l u n g i m Hee r e b e st eilt? Das Kriegshandwerk ist ein rauhes Handwerk, das wissen wir. Nicht leicht ist es, die Hunderttausend^ die da ans den verschiedensten Ständen zusammengebracht werden, mit der verschiedensten Bildung, aus den verschiedensten Lebensgewohnheiten heraus so zurecht zu bilden und zusammenzubilden, daß sie ein fügsames Organ in der Hand der Heeresleitung werden. Es ist naturgemäß, daß da nicht immer mit Glacehandschuhen zugesaßt werden kann, die Behandlung muß manchmal eine Gerbe sein, wenn ich auch nicht etwa ein Fürsprecher sein will solcher Dinge, die wir als Quälereien und Soldatenmißhandlungen öffentlich so oft haben geißeln müssen. Dies rauhe Handwerk nimmt jeder auf sich, und jeder weiß, daß er sich in die Verhältnisse zu fügen hat. In dieser Beziehung sind alle diejenigen, die ihrer Pflicht im

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