Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 391 (sequence 5)
- Language
- German
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Korrespondenzen. bOl dem Zeichen des Liberalismus einführen. Nun, Sie haben jahrzehntelang unter der liberalen Fahne gestanden und geseufzt. Der Bauer ist hier mufgewacht; er hört nicht mehr das, was die städtische Presse schreibt, hinter der zumeist Iudenjungeu stehen; er macht seine eigene Politik, er hat seine eigene Erkenntnis." In solchem Ton ging es weiter; auch die übrigen Redner boten den anwesenden Landleuten ähnliche Ergüsse, von denen Herr Pastor Heckenroth im voraus gesagt hatte: „Mögen bei dem heutigen Feste Segens st r ö m e ausfließen1" — Die Mitglieder des Hansa-Bundes, die an die Möglichkeit eines friedlichen Ausgleiches mit den Agrariern glauben, irren sich; von diesen Segensspendern können sie, nach den Neuwieder Vorgängen zu urteilen, nur ganze Kübel antisemitischen Unrats erwarten. — Unter der Überschrift „Antisemitische Verleumdung" berichtet der „Berliner Börsen-Courier": „Seinerzeit hatten antisemitische Redner in Volksversammlungen dem sozialdemokratischen Reichstagsabg. Hengsbach schwere sittliche Versehlungen nachgesagt und behauptet, die Parteileitung wisse darum, ohne gegen Hengsbach einzuschreiten. Jetzt ist an Gerichtsstelle festgestellt worden, daß an den Behauptungen nichts Wahres sei. Die betreffenden Antisemiten Kaufmann Richter aus Köln und der Vorsitzende des Deutsch nationalen Handlungsgehilfenverbandes in Elberfeld, W i e.g e r s h a u s, mußten sich zu folgender Erklärung bequemen: „Wir haben uns durch das Ergebnis der Verhandlung davon überzeugt, daß wir das Opfer einer Irreführung geworden und die von uns gegen den Reichstagsabgeordneten Hengsbach erhobenen Vorwürfe unhaltbar sind. Wir nehmen diese Vorwürfe mit dem Ausdruck, des Bedauerns als unwahr zurück und tragen die Kosten des Verfahrens." — Wie der „Berliner Morgenzeitung" aus gut unterrichteter Quelle mitgeteilt wird, soll sich die in der Erpressungsaffäre gegen die Verleger der „Wahrheit" Wilhelm und P aul Brüh n erhobene Anklage auch gegen den Redakteur Dietrich richten. Die Anklage betrifft zehn Fälle der versuchten und vollendeten Erpressung. Die Anklageschrift soll etwa 60 Seiten umfassen. Geladen werden