Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Berlin
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 392 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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392 Im deutschen Reich. voraussichtlich gegen 50 Zeugen, darunter die Verteidiger des früheren Redakteurs der „Wahrheit", Dahsel, die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Puppe, sowie der Inhaber eines bekannten Warenhauses und der Inhaber eines Nachtlokals. Die Hauptverhandlung wird voraussichtlich Anfang Mai stattfinden. — Die Leitung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation" (A. I. K. O.) hat kürzlich im Hotel Adlon eine Versammlung angesehener Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde veranstaltet, um über die Unterhandlungen mit der türkischen Regierung, betreffend Ansiedelung jüdischer Emigranten in den Ländern des Ottomanischen Reiches, Bericht zu erstatten. Die Gesellschaft hatte der türkischen Regierung eine Denkschrift unterbreitet und den Vorsitzenden ihres geschäftssührenden Ausschusses, Dr. Alfred Nossig beauftragt, mit der Pforte zu unterhandeln. Nach den Berichten der Herren Dr. Ginsberg und Dr. Nossig ist zu erwarten, daß die türkische Regierung das Kolonisations- Unternehmen fördern werde. Während die früheren Einwanderungsländer England und Amerika dem jüdischen Emigrantenstrom sich verschließen, hat sich infolge der freiheitlichen Umwandlung der Türkei die Möglichkeit . eröffnet, die jüdische Kolonisation im Orient in größerem Maßstab weiterzuführen. Der Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herr Professor Martin Philippson, betonte die Notwendigkeit, das Kolonisationswerk unter den Schutz der jüdischen Gemeinden zu stellen. Herr Geh. Med.-Rat Professor Dr. Baginski forderte die Anwesenden auf, auch auf dem Wege der Privatwohltätigkeit das Werk der Allg. Jüdischen Kolonisations-Organisation zu fördern. In gleichem Sinne äußerten sich die Herren Kommerzienrat G. Simon, Professor Dr. Rosin und Dr. Hildesheimer. Herr Rechtsanwalt Dzialoszynski schilderte anschaulich den blühenden Stand der jüdischen Ansiedelungen, die er besucht hatte. Man darf der weiteren Entwicklung der Organisation mit Interesse entgegensehen. (:) Frankfurt a. M., 6. April. Mit Rabbiner Dr. Markus Horovitz, den am 27. v. M. im Alter von 66 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, sank einer der hervorragendsten, kenntnisreichsten und verdienstvollsten Vertreter seines Standes