Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 385 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 385 Von antisemitischer Seite ist es auch bespöttelt worden, daß Taft, der Präsident der noxbamexifatttfd>en Anion, einer Einladung zu einem Festmahl der jüdischen „Bne- Brith-.Loge"" gefolgt und dort in einer Rede seiner Bewunderung für die Juden Ausdruck gegeben hat, weil sie ausgezeichnete Bürger seien, die Gesetz und Ordnung liebten; er sei erfreut, daß sie in dies Land gekommen seien. Der britische Botschafter Brhce erklärte bei derselben Gelegenheit, er habe stets denjenigen, welche für freundschaftliche Beziehungen zwischen England, Deutschland und den Vereinigten Staaten arbeiten, Sympathie entgegengebracht. Er vertraue darauf, daß die freundschaftlichen Beziehungen dieser drei großen Nationen fortdauern werden. Die judenfeindliche Berliner „Deutsche Zeitung'" scheint durch die Rede des britischen Botschafters noch peinlicher berührt worden zu sein als durch das den Juden von dem amerikanischen Präsidenten gezollte Lob, denn sie sagt: „Erschien die „Bne Brith"" den Herren Taft und Bryce als Vertreterin deutschen Staats- und Volkstums?"" Die „Deutsche Zeitung"" weiß demnach nicht oder will nicht wissen, daß in den amerikanischen jüdischen Logen überaus zahlreiche Mitglieder das deutsche Element, auf das würdigste vertreten, während das antisemitische Treiben in Deutschland von den Bürgern anderer Kulturstaaten seit Jahrzehnten als etwas betrachtet wird, was dem deutschen Reich zur Unehre gereicht. Man rechnet es besonders in Amerika den deutschen Juden hoch an, daß sie trotz der Zurücksetzungen, die sie in Deutschland vielfach erfahren, ihr deutsches Vaterland nie verleugnen, deutsche Sprache und deutsche Sitten bewahren und für ihre deutsche Heimat, wo es not tut, stets zu Opfern bereit sind. Wo die Juden im Auslande angefeindet werden, geschieht dies in den meisten Fällen, weil man sie mit Recht oder mit Unrecht für Pioniere des Deutschtums hält, das bei den meisten Nachbarvölkern gefürchtet oder wenigstens mit Mißtrauen betrachtet wird. Die deutsche Gesinnung hat den Juden in den deutschen Ostmarken den Haß der Polen, in Böhmen und Mähren den der Tschechen zugezogen, und im Zarenreiche den der Altrussen, die gegen den Deutschen,