Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 383 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. lichkeit nichts weiter als antisemitische „Deutsche Volksblatt", hat kkirzlich eine Rede abgedruckt, die von dem Stadtrat und Landtagsabgeordneten Hraba in einer Wiener Versammlung christlicher Arbeiten gehalten worden ist. In dieser Rede hat Habra, der mit dem verstorbenen Bürgermeister Lueger eng befreundet und dessen Finanzreferent war, die Führer der Partei des Eigennutzes und d e r k r a s s e st e n Selb st sucht beschuldigt und den Vorwurf erhoben, daß es eine Anzahl von Abgeordneten kaum erwarten konnte, bis Di-.. Lueger seine Augen geschlossen hatte. Der Wiener christlich-soziale Bürgerklub brauchte drei Wochen, um sich von seinem Schrecken über diese Anklage zu erholen und den Ankläger zur Rechenschaft zu ziehen. Hraba erklärte sich bereit, einem zwölfgliedrigen Untersuchungskomitee sein Material vorzulegen, aber die Christlich-Sozialen wollten anscheinend von einem solchen Untersuchungskomitee nichts wissen und schlossen Hraba mit 103 gegen 5 Stimmen aus dem Bürgerklub aus. Vorher hatte Herr Hraba aber noch zwei Namen genannt, zwei Hauptgrößen der christlich-sozialen Rathauspartei: die Stadträte Bielohlawek und Axmann. Beide haben die Absicht geäußert, wegen Ehrenbeleidigung klagbar zu werden, und der Bürgerklub will eine Berleumdungsklage anstrengen. Damit wird aber der Schaden, der der antisemitischen Sache durch die Anklagen des tüchtigen Finanzberaters Luegers gegen bekannte Parteiführer zugefügt wurde, kaum gutzumachen sein. Den Wiener Bürgern hat die bestechende Persönlichkeit Luegers die antisemitische Sache schmackhaft gemacht: von seinen Nachfolgern hat keiner einen Schimmer von seiner Volkstümlichkeit, und daß dem Verstorbenen die meisten Parteigänger in seiner nächsten Umgebung durch ihre Handlungsweise und Denkungsart selbst antipathisch geworden sind, ist eine Tatsache, die in Wien bereits bekannt war, ehe Hraba seine Erfahrungen als finanzieller Berater Luegers öffentlich zum besten gegeben hat. Es ist ein eigener Zufall, daß fast zu derselben Zeit, in der unter den antisemitischen Parteigrößen Wiens derartige Enthüllungen ^gemacht wurden, in Italien ein glaubenstreuer Jude, L u i g i L u z z a t i, der schon einem