Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 379 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 379 doch nicht alles! Ebenso unser Hochadel. Sehr oft treffliche Leute — gewiß. Aber v o m H o f t h e aterintenbantcu b i s z u m B o t s ch a s t e r ro i l l diese K a st e alle guten Posten monopolisieren — das darf nicht so weitergehen, sonst kommen wir im Wettrennen um Weltgeltung unter den Schlitten. Laßt auch den vierten Stand hoch kommen, aber macht ihn national, indem ihr ihn planvoll und zielbewußt mit den Geschicken des Vaterlandes zusammenschweißt, wie England und Amerika. Lernt von euren schärfsten Rivalen, daß im breiten B ü r g e r t u m die Kraft der Pyramide an der Basis steckt, nicht im Züchten von lauter „Spitzen"!'* — Dazu bemerkt die „Saale-Ztg.": „Schon der bloße Gedanke, daß ein „Kaufmann" das Deutsche Reich als Gesandter oder gar als Botschafter vertreten sollte, würde die beati possidentes, das Junkertum, in die größte Entrüstung versetzen. Und doch hat Amerika z. B. mit seinem Botschafter bei der Hohen Pforte, Straus, der nicht nur aus dem Handelsstande hervorgegangen, sondern — horribile dictu — Jude ist, eine geradezu glänzende Wahl getroffen." Derartige Gedanken kennen nicht nur in jüdischen Köpfen; sie liegen auch christlichen und adligen Denkern nahe, zumal solchen, die es als wissenschaftliche Lehrer als ihre Pflicht erachten, die Geradlinigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis in den politischen Kamps einzuführen. So hat in der Osterzeit Gustav v. Schmoller in der „Wiener Neuen Freien Presse" einen Artikel über das „preußische Junkertum" veröffentlicht, der dies zwar als ein unentbehrliches Element Preußens hinstellt und,die Junker als Leute, mit denen man ganz gut auskommen könne, soweit ihr Horizont nicht beschränkt und sie etwas mit liberalem Oele gesalbt seien. Er ist aber doch zu Schlüssen gelangt, die sich gegen die feudale Cliquenwirtschaft richten. Die konservative Presse hat nicht nur daran Anstoß genommen, daß der Gelehrte seine Studie in der ihr als „Judenblatt" geltenden „Wiener Neuen Freien Presse" veröffentlichte, sondern auch richtig herausgefühlt, daß die Erörterung der Frage, ob wir unter einem Junkerregiment leiden, schon das Zugeständnis enthält, daß derartiges angenommen werden kann. Die „Post" sagt: