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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 380

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1910-05-01
Page
380 (sequence 5)
Language
German
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Im deutschen Reich. :-^0 „Eins, übersieht Prof. v. Schmoller ganz. Wenn man den preußischen Landadel daran verhindert, seine jüngeren Söhne in Staatsämtern bei mäßigen, nicht auf Ersparnisse zugeschnittenen Gehältern sich nützlich machen zu lassen, wenn man ihn also zwingt, sie dem Handel und der Industrie -zuzuführen, dann vernichtet man ihn. Und man glaube nicht, das städtische Patriziat könne ihn in Staat und Heer ersetzen. Wir würden also mit der Preisgabe unseres Landadels den Staat auf eine vom Zufall abhängig-e Auswahl von zumeist „neuen Leuten" anweisen, da der Nachwuchs aus Beamten- und Offiziersfamilien vielfach aus Mangel an Familienvermögen die Laufbahn des Vaters nicht wird einschlagen können. Der preußische Staat würde dann allerdings ganz anders aussehen: im Abgeordnetenhause mehr Juden, mehr Advokaten, mehr Gewerkschaftsführer und sozialistische Redakteure, in den Staatsämtern mehr reiche Streber und geistig inferiore Männer, denen der freie Wettbewerb im bürgerlichen Leben zu gefährlich schien, im Offizi.erkorps — doch das mögen sich die Junkerfeinde selber ansmalen." — Nun; wir malen uns; das ganz gern aus und finden ein solches Bild gar nicht unerfreulich. Eins scheint uns ganz sicher, daß bei dem freien Wettbewerb um Staatsämter keineswegs der Staat „geistig inferiore" Kräfte erwerben, sondern nicht mehr in die traurige Notwendigkeit versetzt sein würde, sich zuweilen mit geistig inferioren Kräften zu behelfen. Die „Kreuz- Zeitung" hat sich zur Widerlegung des Schmollerschen Artikels der Feder eines sächsischen konservativen Parlamentariers bedient, der das „System Puttkamer" als die feinste Blüte konservativer Regierungskunst anpries und so weit ging, das „System Bulow" als eine Gefahr für die Monarchie zu erklären. Der sächsische Gewährsmann würde in seiner Heimat, wo die Bevölkerung sich neuerdings mehr und mehr von der Vormundschaft der Konservativen freizumachen sucht, mit dieser Weisheit kaum Geschäfte machen: er bringt sie wohl nur deshalb auf den Markt der ostelbischen Leser der „Kreuz-Zeitung". Was man da aber in den Kreisen des Bundes der Landwirte feilbieten kann, ist mitunter fast unglaublich. In einer solchen, kürzlich in Essen abgehaltenen Versammlung

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