Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 378 (sequence 3)
- Language
- German
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37« Im deutschen Reich. ist, daß konservative Politiker ihren Witz in Zentrums- Blättern abladen." Noch interessanter fast ist es, daß manche hochadeligen Agrarier, die von ihren antisemitischen Knappen die judenfeindlichen Zirkuswitze abgelernL und für vornehme Allüren manche Radaumanieren eingetauscht haben, die an Judenhetzen streifen, sich in ihren Parteiorganen über eine angeblich! in Judenblättern inszenierte Äetze gegen den Aöel beklagen. Eine solche Hetze liegt den Juden völlig fern, denn unter dem Adel deutscher Nation hat es in vergangenen Zeiten echte Edelleute gegeben, die wesentlich für die allgemeinen Menschenrechte eingetreten sind und dadurch 'zur Anerkennung der Gleichberechtigung der Juden beigetragen haben. Aber so weit kann doch unsere Dankbarkeit nicht gehen, daß wir in Erinnerung an Hardenberg, Stein und andere erleuchtete und erlauchte Männer etwa .für solche Junker begeistern, die hundert Fahre nach jenen Männern weit minder' freisinnige Anschauungen hegen als ihre Vorgänger, sondern das mißachten und unterwühlen, was jene nicht nur zum Segen für. die deutschen Inden, sondern für alle deutschen Staatsbürger begründeten, und was in der preußischen Verfassung zwar festgelegt ist, aber im Wege der Verwaltung ausgeschaltet wird. In anderen Staaten denkt und handelt der Adel moderner als in Pr e u ße n , und man würde ihm auch hier allseitig eine größere Sympathie widmen, wenn er, ähnlich wie jene ausländischen Edelleute, sich dazu verstünde, sich mit dem auszusöhnen, was in der preußischen Verfassung und im Reichsgesetze allen Bürgern zugesichert ist, mit dem gleichen Recht.fur alle! Ein als Philanthrov bekannter amerikanischer Großkaufmann hat sich kürzlich gegen einen deutschen Journalisten darüber wie folgt geäußert: ' „Warum kann im Deutschen Reich ein Kaufmann nicht Gesandter oder Botschafter sein? Die amerikanische Diplomatie ist nach reichsdeutscher Fachanschauung gänzlich „ungeschält" — praktisch ist sie vielleicht die beste! Der preußische Leutnant oder Jurist kann gewiß viel; aber