Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 372

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Indifferentismus und Taufe
Date
1910-05-01
Page
372 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316791-2316797-2343219--20317-2343282
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich. :?72 Die Frage so stellen, heißt, sie schon beantworten. Wer kann bezweifeln, daß der im höchsten Grade wer-. werflich handelt, der ans äußerlichen Gründen, um niaterieller Vorteile willen seinen Glauben wechselt? Gr Lut ilns, die toir dem Judentum treu bleiben wollen und für die Verwirklichung unserer Menschen- und Bürgerrechte kämpfen, schweres Unrecht; -er füllt uns in den Rücken, denn er bietet -dem Staate die Kräfte und Intelligenzen, welche dieser für seine besonderen Zwecke braucht, und enthebt ihn so der Notwendigkeit, auch das Judentum für seinen Bedarf an Beamten und sonstigen Hilfskräften heranzuziehen, was anders auf die- Dauer gar nicht zu umgehen wäre. Der Taufjude liefert außerdem unseren Feinden Waffen gegen uns, indem er sie mit einem S ch eine von Berechtigung zu dem Hinweise veranlaßt, daß es doch wenig für den Wert des Judentums spricht, wenn so häufig gerade die angesehensten und klügsten Juden ihren Glauben verlassen, um sich ganz den „Deutschen" anzuschließen. Aber viel schlimmer noch als. dieser Verrat gegen uns ist die sittliche Blöße, welche der Taufjude sich selbst gibt. Mag man zu seiner Entschuldigung sagen, was man will, inan mag zugeben, daß nicht jeder von ihnen sich die gaüzen Folgen seiner Handlungsweise klarmacht. Nicht zu bestreiten ist, daß er nur über die furchtbare Brücke des Meineides in das ihm innerlich fremde Christentum gelangen kann! Oder ist der Altar, vor dem er die Versicherung seines neuen Bekenntnisses ab gibt, weniger würdig als der Richtertisch? Hat das, was er wider besseres Wissen als seine innerste Ueberzeugung versichert, was Millionen' von Christen heilig und ehrwürdig ist, weniger Anspruch auf Wahrhaftigkeit, als wenn er vor Gericht schwört, er habe nicht ein Darlehn von 100 M. erhalten? ■ Mit welcher Entrüstung würde der jüdische Student es zurückwcisen, wenn inan ihmzumuten wollte, er solle für irgendwelche Vorteile vor Gericht einen Meineid leisten! Aber ohne mit der Wimper zu zucken, tritt er, um Staatsanwalt oder Reserveoffizier werden zu können, vor den Altar einer christlichen Kirche, treibt ein Spiel mit dein, was zahllosen Menschen durch fast zwei Jahrtausende das Heiligste war und ist, und schwört einem Vertreter des Christentums gegenüber fälsch-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.