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Im deutschen Reich · 1910-05-01 · Heft 5 (Mai 1910) · p. 371

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
16 (1910)
Issue
Heft 5 (Mai 1910)
Article
Indifferentismus und Taufe
Date
1910-05-01
Page
371 (sequence 3)
Language
German
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Kidifferentismils und Taufe. 371 gewöhnlich werden die Tansinden sich weder unglücklich fühlen, noch es sein. Sie werden vielmehr in den 'meisten Fällen die Vorteile erreichen, welche sie durch das Mittel der Taufe erstrebten, sei es, daß sich ihnen nun die sonst verschlossene amtliche Laufbahn eröffnet, oder daß ihnen ein Offizierspatent als Lohn der bewiesenen Mannhaftigkeit und Charakterfestigkeit winkt, oder daß „die Gesellschaft" den „Juden" nicht mehr ausschließt. — Wir wollen uns nicht selbst täuschenwenn nur die Nützlichkeitssrage entscheidend wäre, so ist es besser, dem Judentum den Abschied zu geben: denn in den jetzigen Zeitläuften und leider wohl noch auf lange hin — ist es weder ein Vergnügen, Jude zu sein, noch in den Augen der überwiegenden Mehrzahl unserer Mitbürger ein Vorzug. Aber wir müssen tiefer graben, um 51t dem Sn eil der Wahrheit zu gelangen. Was immer im Leben Anspruch auf sittliche Hochschätzung erheben darf, wird nicht nach der Frage der materiellen ^Nützlichkeit beurteilt und entschieden, und auch nicht aus solchen Gründen geleistet: der Arzt, der oft ans Kosten seiner Gesundheit, oft mit Gefahr seines Lebens seinen Berns ausi'tbt, der Jurist, der dem Rechte Geltung schaffen will, der Lehrer, welcher Kinder bildet, der gelehrte, der die Pfade der Wissenschaft erforscht, sie alle und viele andere lassen sich nicht nur durch die Aussicht auf Gewinn bestiminen, und sie würden verächtlich sein, wenn sie gar ihren eigenen Vorteil über die ihnen anv-ertrauten Interessen setzen wollten. Indessen auch der Gewerbetreibende und alle die, welche lediglich Erwerbsintcressen dienen wollen und dienen sollen, dürfen auch ihres Vorteils wegen nichts tun, was mit den Vorschriften der Moral im Widerspruch steht, sofern sie nicht anfhören wollen, anständig zu sein. Nicht die Frage der Nützlichleit und des Vorteils -entscheidet also über das, was wir tun und lassen dürfen, sondern das Gesetz der Sittlichkeit. Daher müssen wir and) in unserem Falle die Frage so formulieren-. „Ist es mit den Grundsätzen der Sittlichkeit -vereinbar, daß wir, ohne durch unsere Ueberzengung zur Taufe getrieben zu werden, das Judentum verlassen, weil'es uns gleichgültig geworden ist und uns nur Nachteile und Ilnbegnemlichkeiten bringt?"

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