Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 16 (1910)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1910)
- Article
- Indifferentismus und Taufe
- Date
- 1910-05-01
- Page
- 370 (sequence 2)
- Language
- German
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370 Im deutschen Reich. Die so sprechen, sind keineswegs die Schlechtesten; sie stehen nur dem Judentum teilnahmlos gegenüber, können aber sonst ausgezeichnet sein durch Geist und angesehene Lebensstellung. Nur zu leicht bietet sich für sie dann bald einmal die Gelegenheit, dein Judentum durch die Taufe auch äußerlich den Rücken zu Lehren. Sollen wir dem drohenden Abfall schweigend und tatenlos zusehen? Zwar sagt ein berühmtes Philosophenwort: „Was fallen will, das soll man stoßen!" Allein im Lichte des praktischen Lebens kann dies nicht immer als richtig anerkannt werden, und für unsere Zwecke ist es sicher falsch. Denn, wie schon erwähnt, sind es durchaus wertvolle Kräfte, die uns so verloren gehen, und wir haben keinen Ueberfluß an solchen. Es ist schade um jeden sonst anständigen Juden, der uns durch die Taufe entzogen wird! Schon aus praktischen Gründen empfiehlt es sich daher, die Schwankenden zu stützen, indem wir ihnen klar machen, was sie eigentlich tun wollen, empfiehlt es sich, die Frage zu prüfen, ob solche, welche innerlich dem Judentum gleichgültig gegenüberftehen, berechtigt sind oder nicht, ihm den Rücken zu kehren. Denn ist es richtig, daß wir trachten müssen, sie in unseren Reihen zu halten, so haben wir ja kein anderes Mittel, als durch Bernunftgründe auf sie einzuwirken. Oder können rvir sie anders zwingen? Wohl gibt es viele Heißsporne, die aus ihrer moralischen Entrüstung heraus den Kriegsruf ansftoßen: „Meidet die Unzuverlässigen, wo es geht!, zeigt ihnen Verachtung, wo Ihr mit ihnen zusammenkommen müßt!" Daß wir aber so nicht unseren Zweck erreichen werden, liegt klar zutage. Im Gegenteil, hier, wie immer in Prinzipienfrageu, wird die Gewalt das Entgegengesetzte bewirken: wir werden sie erst recht, verlieren und sie direkt dem Ehristentum in die Arme teiben. Wollen wir also Juden bleiben, auch wenn uns die jüdische Religion nicht mehr Herzensbedürfnis ist? Juden bleiben trotz so vieler Nachteile und Kränkungen, die uns allüberall treffen? In einen: Bortrage, den Fräulein Werner-Hamburg jungst in Berlin hielt, sprach die Vortragende davon, daß der 'Abfall „unsere abtrünnigen Brüder und Schwestern selbst so unglücklich macht." Ich habe das nicht verstanden, denn